Klappstuhl mit Aussicht

Reportage: Unterwegs mit zwei Anglern am Mainufer

Foto: Julia Preißer

Erlenbach. Er hätte ihn beinahe gehabt, den Zander. Doch dann war der Edelfisch wieder vom Haken geschlüpft. “Beim Angeln braucht man Geduld”, sagt Karl-Heinz Dorn. Der Rentner trifft sich regelmäßig mit seinem Sportfreund Jörg Schulz zum Angeln am Mainufer. Die beiden sind Mitglied im Erlenbacher Angelsportverein “Gut Fang”. Sie kennen die Tricks und Kniffe beim Angeln, wissen aber auch, dass es längst nicht mehr darum geht, wer den größten Fisch am Haken hat.

“Angel-Wettbewerbe sind schon lange verboten”, erzählt Dorn. “Angeln soll kein Wettkampf sein, sondern ein Hobby.” Auch Hobby-Angler brauchen einen Fischereischein. In der Theorieprüfung müssen sie Fragen zu den Themen Umweltschutz und Tierwohl beantworten. Wie tötet man einen Fisch möglichst schmerzarm? Wann haben die einzelnen Arten Schonzeit? Wie schützt man den Uferbereich und wo darf man überhaupt angeln?

Rund 40 Fischarten leben im Untermain - vom Aal bis zum Zander. Damit die Artenvielfalt erhalten bleibt, müssen sich Angler an die Gewässerordnung halten. Sie bestimmt zum Beispiel, dass ein Angler maximal zwei Ruten mitführen darf. Außerdem müssen die Angler jeden gefangene Fisch wiegen und im Fangbericht protokollieren. Droht Überfischung, setzen die Angler in einer aufwendigen Aktion bedrohte Fischarten im Main aus. So soll die Artenvielfalt erhalten und das Ökosystem stabil bleiben.

Ist ein Fisch erst einmal am Haken, landet er meist auch auf dem Teller. Denn aufgrund der inneren Verletzungen dürfen Angler gefangene Fische nicht wieder ins Wasser lassen. Es gilt das Credo: Was gefangen wird, wird auch gegessen. “Man muss eben überlegen, ob man gerade Hunger auf Fisch hat”, sagt Karl-Heinz Dorn. Er selbst gehe nur alle zwei bis drei Wochen zum Angeln.

Heute haben Dorn und sein Vereinskollege Jörg Schulz wenig Glück. Zwei Gundeln beißen an. “Die schmecken nur, wenn sie aufwendig zubereitet werden”, sagt Schulz. Die Gundeln dienen deshalb als Köder für größere Fische. Dorn und Schulz betäuben das Tier mit einem gezielten Schlag auf den Kopf, bevor sie es töten. Erst dann dürfen sie den Fisch als Köder am Haken befestigen.

Als weitere Köder haben die Angler Maden, Mais und Käse mitgebracht. “Mais mögen die meisten Fische”, erklärt Dorn. Der Käse wiederum sei vor allem bei Brassen und Karpfen beliebt. Viel Einfluss auf den Fang haben Dorn und Schulz dennoch nicht. Beliebte Arten wie die Bachforelle oder der Zander tummeln sich sowohl am Grund als auch an der Oberfläche.

“Man muss viel ausprobieren”, sagt Schulz. Manchmal spiele das Wetter eine Rolle. So treibe der Sauerstoffmangel in der heißen Sommerzeit manche Fische an die Oberfläche. Im Gepäck haben die Angler Hilfsmittel, wie den sogenannten Schwimmer - einen Schwimmkörper aus Kunststoff, Holz oder Kork. An der Angelschnur befestigt, ermöglicht er den Fischern, die Wassertiefe des Köders einzustellen. Beißt ein Fisch an, können die Angler mutmaßen, in welcher Tiefe sich seine Artgenossen aufhalten.

Nicht zum Einsatz kommt heute der Spinner, ein Kunstköder, der durch Druckwellen Vibrationen auslöst und damit die Fische neugierig macht. Auch der Blinker, ein wackelnder Metallköder, der unter Wasser die Schwanzflosse eines Fisches imitiert, bleibt im Anglerkoffer. Karl-Heinz Dorn und Jörg Schulz wollen vor allem die abendliche Ruhe genießen. “Für uns ist die Natur der größte Reiz”, sagt Dorn. Dass die beiden heute ohne großen Fang nach Hause gehen, macht ihnen nichts aus. So lerne man Geduld. “Nur schnell was fangen wollen, läuft dem Sinn zuwider”, weiß Schulz. Es sei ja gerade die Entspannung, die den Reiz des Angelns ausmache.

Erschienen am 27. Juli 2021 im Main Echo 
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