Tonnenschwere Ausbeute

Apfelernte: Neue Sammelmaschine erleichtert die Arbeit von Eschauer Obstbauern

250-Kilo-Koloss: Die neue Obstsammelmaschine des Landschaftspflegehofs Elsavatal ist in Deutschland bisher einzigartig. Foto: Julia Preißer

Eschau. Eins, zwei, drei: Die Äpfel fallen in den Erntekorb. Ratzfatz geht das, denn die neue Obstsammelmaschine des Landschaftspflegehofs Elsavatal arbeitet auf Hochtouren. Obstbäuerin Monika Schmitt fährt den 250-Kilo-Koloss im Kreis um die Apfelbäume. Die Maschine lärmt und ächzt ob der schweren Arbeit. 2,5 Tonnen schafft sie pro Stunde – eine enorme Zeitersparnis im Vergleich zum letzten Jahr.

Damals haben die Hofbesitzer Monika Schmitt und Patrick Bodirsky am gesamten Tag nur rund drei bis vier Tonnen gelesen – mühsam per Hand oder mit einem herkömmlichen Apfelsammler zum Selbstschieben. Patrick Bodirsky ist mit der 12.000 Euro teuren Anschaffung zufrieden: „Die Maschine sortiert Blätter, Zweige und Gräser automatisch aus. Das spart uns viel Mühe.“

Ein weiterer Vorteil der Hightech-Maschine: Die Äpfel bleiben unbeschädigt. Der manuelle Apfelsammler muss die Früchte piksen, um sie greifen zu können. Die Obstsammelmaschine kehrt die Äpfel ein. Gummilamellen werfen sie dann in den Erntekorb, spezielle Borsten entfernen Zweige und Blätter. „Nur die faulen Äpfel müssen wir selbst aussortieren“, erzählt Bodirsky.

Lediglich zwei Exemplare der Obstsammelmaschine OB 70 R gibt es in Deutschland. Der Hersteller Feucht Obsttechnik baut die Maschine nach Auftrag. Neben Äpfeln sammelt das Gerät auch Birnen, Zwetschgen, Hasel- und Walnüsse. Auf den insgesamt zehn Hektar großen Streuobstwiesen des Landschaftspflegehofs finden sich überwiegend Äpfel. Die heute gelesenen Früchte werden zu Saft und Wein verarbeitet. Zum Sammeln von Tafeläpfeln ist die Maschine ungeeignet.

Fahrerin Monika Schmitt hat die erste Fuhre fertig und ruckelt über die Wiese zum Traktor-Hänger. Der Honda-Motor dröhnt. Ein paar Versuche braucht die Obstbäuerin noch, um die Maschine in die richtige Position zu bringen. Bruder Daniel Schmitt spielt den Navigationshelfer, ist allerdings bei dem Lärm kaum zu verstehen. Per Hebeldruck fährt der Erntekorb nach oben und 250 Kilo Äpfel ergießen sich in den Hänger.

Jetzt wartet der letzte Baum der Eschauer Streuobstwiese auf das Team. Körperlich fühlen sich die Erntehelfer dank Sammelmaschine weniger geschlaucht als in den Jahren zuvor. „Nur die Federung könnte etwas besser sein“, lacht Patrick Bodirsky. Er und Monika Schmitt wechseln sich beim Fahren ab. Das Sitzfleisch der beiden wird trotzdem ordentlich beansprucht.

Feucht Obsttechnik und Maschinenring Untermain

Feucht Obsttechnik ist Europäischer Marktführer im Bereich Obsterntetechnik. Neben Obstsammelmaschinen stellt der Betrieb auch Obstsortiermaschinen, Beeren- und Steinfruchterntegeräte und Hochgras-Mähtechnik her. Für 30 Euro pro Stunde vermittelt der Maschinenring Untermain die Obstsammelmaschine des Landschaftspflegehofs Elsavatal an Obstbauern aus der Region. Der Maschinenring ist eine Selbsthilfeeinrichtung für die Landwirtschaft mit Sitz in Schöllkrippen. Zu seinen Hauptaufgaben gehören die soziale und wirtschaftliche Betriebshilfe – etwa bei Krankheit der Betriebsleiter, die Vermittlung von Technik und Dienstleistungen, die Betriebsberatung und Fortbildungsangebote für Landwirte. 670 Landwirte sind Mitglied im Maschinenring. Obstbauer Patrick Bodirsky leistet soziale und wirtschaftliche Betriebshilfe und packt unter anderem als Melkhelfer auf Viehbetrieben mit an.

Erschienen am 29. Oktober 2014 im Main Echo 
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