Fähigkeiten von Flüchtlingen fördern

Bildungsprojekt: Berufsintegrationsklasse Miltenberg kombiniert Soft Skills mit Kunst – Drei Ausbildungszusagen

Eine Säule mit Symbolkraft: Die Flüchtlingsklassen der Berufsschule Miltenberg verknüpfen in einem Kustprojekt, unter Leitung der Lehrerinennen Monika Oswald und Alexandra Langer, Handwerk mit Soft Skills. Foto: Julia Preißer

Miltenberg. Ein Löwe für die Stärke, ein Vogel für die Freiheit und ein Zepter für die Macht, das Leben in die Hand zu nehmen: Die mit Mosaiken geschmückte Säule am Eingang der Miltenberger Berufsschule hat Symbolkraft. Gestaltet wurde sie von den beiden Berufsintegrationsklassen (BIK) für Flüchtlinge. Welche Fähigkeiten die Schüler bei dem Kunstprojekt gelernt haben und wie diese ihnen im Berufsleben helfen können, haben sie bei der Vernissage am Freitag erklärt.

“Wir haben den Deutschunterricht vom Klassenzimmer ins Leben geholt”, resümiert Deutschlehrerin und Designerin Alexandra Langer. Die jugendlichen Flüchtlinge protokollierten ihre künstlerischen Fortschritte in einem Berichtsheft und übten Softskills wie Teamfähigkeit und Verlässlichkeit. Außerdem lernten sie Fachbegriffe, die ihnen im späteren Berufsleben begegnen können - “Zement” beispielsweise oder “Spatel”.

“Das Projekt hat Spaß gemacht”, sagt Zahra Malekzada. Das Mosaik zu gestalten habe ihr gezeigt, welche Farben miteinander harmonieren. Die 17-Jährige strebt derzeit den Mittelschulabschluss an und will sich danach auf den Qualifizierten Mittelschulabschluss (Quali) vorbereiten. Ihr Ziel: Friseurin werden. Für den Quali muss Zahra Malekzada eine Prüfung meistern, den Mittelschulabschluss erhalten die Schüler bei guten Noten.

Ziel der BIK-Klassen ist es, jugendliche Flüchtlinge in zwei Jahren zum Mittelschulabschluss zu führen und damit den Grundstein für eine berufliche Zukunft zu legen. Die Schüler lernen Grundkenntnisse in Mathematik und erhalten Praxisunterricht in Handwerksdisziplinen. In erster Linie sollen sie aber gut Deutsch lernen. Das Sprachniveau wird in einer Skala von A bis C gemessen. Wer bei C angelangt ist, darf an deutschen Universitäten und Hochschulen studieren.

Laut Berufsschulrektor Bernd Kahlert befinden sich die Schüler aus den BIK-Klassen derzeit auf einem guten A-Niveau, einige auch im Bereich B1. Das heißt, sie können sich in einfachen routinemäßigen Situationen verständigen oder bereits zusammenhängende Ereignisse schildern. Etwa vier Miltenberger Schüler hält Kahlert für fähig, den Quali zu bestehen.

Damit sich die Flüchtlinge im deutschen Schulsystem zurechtfinden, müssen die Lehrer neben der Sprache auch kulturelle Werte vermitteln. “Die Berufsschule ist stärker gefordert, als früher”, erzählt der stellvertretende Schulleiter Armin Bick. “In Kriegs- und Krisengebieten geht es ums Überleben. Wenn die Schüler zu uns kommen, müssen sie Pünktlichkeit, Ordnung und Verlässlichkeit oft erst wieder lernen.”

Für Lehrer sei es wichtig, Vertrauen aufzubauen und den Schülern bei der Traumata- und Konfliktbewältigung zu helfen. Als elementar sieht Armin Bick den Sportunterricht. “Da werden unterschwellige Konflikte offengelegt, die wir gemeinsam klären müssen.”

Für die Schüler geht es nun in die zehnwöchige Praxisphase. In regionalen Betrieben lernen sie die Arbeitsabläufe kennen und haben die Chance, den Arbeitgeber von den eigenen Fähigkeiten zu überzeugen. Drei Schüler haben bereits eine mündliche Zusage für einen Ausbildungsplatz: als Maurer, Industriemechaniker und Kfz-Mechatroniker.

Hintergrund: Ausbildung und Bleibewahrscheinlichkeit

Ob ein Flüchtling für eine Ausbildung zugelassen wird, hängt vom Asylantrag und dem Aufenthaltstatus ab. Ist die Bleibewahrscheinlichkeit hoch, können sich die Jugendlichen bewerben. Syrer haben derzeit gute Chancen auf Asyl, Afghanen und Flüchtlinge aus sogenannten sicheren Herkunftsländern hingegen werden oft abgeschoben. Die bürokratischen Hürden und der ständige Wechsel der Klassengemeinschaft führen bei Schülern und Lehrern zu Frustration. Auch erwachsene und bereits ausgebildete Flüchtlinge haben es schwer. In den Erstaufnahmeeinrichtungen gilt für bis zu sechs Monate ein generelles Arbeitsverbot. Menschen aus sicheren Herkunftsstaaten müssen für eine Arbeitserlaubnis aber länger warten.

Erschienen am 18. Dezember 2018 im Main Echo 
Maya und Max holen Gold
Zur Liste
»Hochmotiviert und qualifiziert«