Wie Obernburg Amazon ausspielt

Handel: Buchkabinett hat neuen Lieferdienst - Andere Firmen schließen sich an

Einmal klicken und weg: Bestellungen ans Buchkabinett können jetzt per WhatsApp erledigt werden. Foto: Julia Preißer

Obernburg. Ein Wisch, ein Klick - schon ist das Buch bestellt. Wer im Wettstreit mit dem Internethandel mithalten will, braucht Weitsicht und Innovation. Das Buchkabinett in Obernburg bietet seinen Kunden nun Bestellungen per Whats App an. Ein Lieferdienst bringt die Bücher direkt nach Hause - oft schon am selben Tag.

“Jeder der unterwegs ist - in der Schule, an der Uni, beim Schaufensterbummel - kann Bücher abfotografieren und das Bild an uns weiterleiten”, erklärt Buchhändlerin Nina Ruße das Konzept. Wer bis 15 Uhr bestellt, hat gute Chancen, das gewünschte Werk zwischen 18 und 20 Uhr abends zu erhalten. Ist das Buch nicht vorrätig, kommt es tags darauf an.

Mit dem neuen Service wolle man vor allem junge Leute gewinnen, so Ruße. “Die Online-Konkurrenz ist nur einen Klick entfernt. Doch wir sind schneller als Amazon - zumindest dann, wenn das Buch bei uns verfügbar ist.” Die Möglichkeit, Bücher per Whats App zu bestellen, gibt es bereits seit letztem Sommer. Der Lieferservice kam im Januar dazu.

Seitdem wächst die Zahl der Bestellungen. “Kein Tag vergeht, ohne Whats App Nachrichten”, erzählt Buchhändlerin Ruße. Bis zu zehn Adressen klappert der Lieferdienst am Abend ab. Das Liefergebiet erstreckt sich über einen Umkreis von 15 Kilometern: Nördlich bis Großostheim, südlich bis Laudenbach, westlich bis Breuberg und im Osten bis nach Mönchberg.

Damit sich der Lieferdienst rentiert, will das Buchkabinett mit anderen Obernburger Geschäften zusammenarbeiten. Der Elektrobetrieb Kunisch hat sich bereits angeschlossen. Unter dem Slogan “Obernburg bringt’s” wollen sich auch das Schuh- und Sporthaus Wolfstetter und der Haushaltsfachmarkt Recknagel beteiligen.

Amazon bleibe weiter die größte Konkurrenz, sagt Nina Ruße. “Aber auch nur deshalb, weil es jeder kennt.” Damit auch das Angebot des Buchkabinetts auf fruchtbaren Boden fällt, rührt das Team die Werbetrommel und verteilt Flyer an Schulen im Umkreis. Einer Schätzung zufolge sind die meisten Nutzer Schüler, danach folgen Erwachsene bis etwa 50 Jahren.

“Man muss mit der Zeit gehen”, findet Ruße. “Es hilft nichts, so weiterzumachen, wie vor 20 Jahren. Viele halten uns für antiquiert. Doch der Buchhandel ist keine verschlafene Branche.” Beim Thema Internet ist das Buchkabinett nach eigener Angabe schon lange Vorreiter. Seit 16 Jahren können Kunden im Onlineshop auf der offiziellen Website bestellen.

Erschienen am 04. April 2018 im Main Echo 
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