Christlich geprägt, heimatverbunden

Buchpräsentation: Autor Markus Grimm hat bekannten Roman des Eschauers Karl Heinrich Caspari modernisiert – Geschichte als Impulsgeber

Markus Grimm wandelt auf den Spuren von Karl Heinrich Caspari. Hier zeigt er eine seltene und zerlesene alte und seine eigene modernisierte Fassung des Romans „Der Schulmeister und sein Sohn“. Foto: Julia Preißer

Eschau. Alten Lesestoff neu aufzubereiten stellt Literaten vor Herausforderungen. Es gilt, Werk und Autor gerecht zu werden und gleichzeitig eine individuelle Note mit einfließen zu lassen. Der Schriftsteller und Schauspieler Markus Grimm hat bei seiner Neuauflage des Romans „Der Schulmeister und sein Sohn“ von Karl Heinrich Caspari (1815-1861) darauf verzichtet, sich zu verkünsteln.

„Ich wollte den Roman behutsam modernisieren und dabei das historische Zeugnis nicht verwaschen“, sagte er bei einer Buchpräsentation am Mittwochabend im Historischen Rathaus in Eschau. Mit seiner Neuauflage, die den Haupttitel „Heimat“ trägt, will Grimm vor allem jungen Menschen den Zugang zum Werk ermöglichen.

Deshalb hat der Würzburger gemeinsam mit seinem Agenten und Verleger Herbert Löw ein an das Buch angelehntes Theaterstück geschrieben. Als Ein-Mann-Ensemble wird er damit ab März durch die Region ziehen. Premiere ist am 8. März in der Eschauer Epiphaniaskirche. Hier hat Caspari als Pfarrer gewirkt – Pfarrhaus und Kirche erzählen seine Geschichte.

Die Spuren seiner Romanfigur hingegen gehen zurück auf Eintragungen im alten Kirchenbuch des unterfränkischen Sommerhausen, wo Caspari ebenfalls eine Pfarrstelle innehatte. Schulmeister Ulrich Gast erzählt seine Geschichte aus der bewegten Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Sohn Valentin fällt einem Komplott zum Opfer, wird zum vermeintlichen Verräter und muss in die Schlacht ziehen. Der Vater, der seine restliche Familie verloren hat, wartet auf die Rückkehr seines geliebten Kindes.

Die Geschichte illustriert die biblische Parabel vom verlorenen Sohn und lässt an vielen Stellen Casparis eigene Gesinnung durchblicken. Als Pfarrer hat er selbst die christliche Tradition eines gottesfürchtigen, sittsamen und sündenbewussten Lebens geführt aber auch eigene Antworten für den Weg in die Glückseligkeit gefunden. Eine Ahnung davon liefert der Roman. Vielmals sind hier die Sicht eines Schriftstellers und die eines Pfarrers miteinander verwoben.

Dass die großen Fragen des Buches auch unsere Generation umtreiben, betonte Schriftsteller Markus Grimm am Mittwoch. „An den Themen ist überhaupt nichts Verstaubtes. Es geht um Beziehungen, Freundschaften und Lebensentscheidungen.“ Seinen Titel „Heimat“ könne man deshalb auch als ideellen Begriff verstehen. „Was sind meine Werte? Wo liegen meine Hoffnungen?“ Original und modernisierte Fassung stecken voller Lokalkolorit – Name, Orte, Begebenheiten.

Historisches und literarisches Interesse bewege ihn gleichermaßen, sagt Markus Grimm. Neben Caspari schrieb der Schauspieler deshalb auch Solo-Theaterstücke zu Bildschnitzer Tilman Riemenschneider, Baumeister Balthasar Neumann und den Gebrüdern Grimm. „Aus der Geschichte lernen wir etwas über unsere Identität - auch Literatur kann das leisten. Sie gibt Impulse und regt zum Nachdenken an“, so der Würzburger Autor.

Geschichtsbewusstsein für die Heimat schaffen – das wollen Markus Grimm und Verleger Herbert Löw. Den Balthasar Neumann hat Grimm deshalb auch vor Schülern aufgeführt. Diese sollen sich nun den modernisierten Caspari-Roman zu Herzen nehmen. Sprachlich hat Grimm das Buch zwar der heutigen Zeit angepasst, die dichte Atmosphäre und Casparis eigene, unaufgeregte Sprachmelodie aber beibehalten.

Schwierig zu meistern wird sicherlich das Solo-Theaterstück. Grimm wird dabei zwischen den Haupt- und Nebenrollen hin- und herspringen, sich aber auf wenige bis keine Kostümwechsel beschränken. Außerdem fungiert er als Erzähler. Man darf gespannt sein!

Hintergrund: Karl Heinrich Caspari (1815-1861)

Am Rosenmontag jährt sich der Geburtstag des Pfarrers und Schriftstellers Karl Heinrich Caspari zum 200. Mal. Geboren in Eschau als Sohn eines Pfarrers trat er nach dem Abitur in dessen Fußspuren und studierte Theologie in Erlangen. Später arbeitete er zunächst in Sommerhausen (bei Würzburg) und ab 1948 in Eschau als evangelischer Pfarrer. Caspari gilt als einer der bedeutendsten Volksschriftsteller mit regionalgeschichtlichen Bezügen. Sein Roman „Vom Schulmeister und seinem Sohn“ ist nur eine von vielen Erzählungen, Parabeln und Sagen aus seiner Heimat, dem Spessart. Alle Werke bestimmen sein moralischer Anspruch und seine große Nähe zum Urtümlichen und Unverfälschten. Von solcher Wesensart lässt sich auch sein Protagonist, Schulmeister Ulrich Gast, beschreiben. Für Autor Markus Grimm ist die Geschichte des Schulmeisters eine persönliche Stellungnahme Casparis zu den Verwerfungen seiner Zeit. Caspari starb im Alter von 46 Jahren in München, wo er seine letzten Lebensjahre verbracht hatte.

Erschienen am 13. Februar 2015 im Main Echo 
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