Manege frei für junge Artisten

Zirkus: Kinder mit und ohne Behinderung begeistern in Abschlussvorstellung des Circus Blamage

Elegant in luftiger Höhe: Lynn (10) lässt die Zuschauer bei der Seilakrobatik die Luft anhalten. Foto: Julia Preißer

Großwallstadt. Das Seil zittert ein wenig. Theresa ist nervös, fühlt mit der Fußspitze vor. Schritt für Schritt wagt sie sich weiter, streckt das Bein in die Höhe. Als Seiltänzerin performt sie eine der Showeinlagen des Circus Blamage. In einer zweistündigen Vorstellung am Freitagabend zeigten Kinder mit und ohne Behinderung, was sie im Zirkuscamp in den Pfingstferien gelernt haben.

Beim Seiltanz braucht es Geschick, bei der Akrobatik Muskeln und für die Clownerie eine Menge Humor. Den hat auch Zirkuspädagoge Herr Lui. Vor der Vorstellung scherzt er mit den Kindern und nimmt ihnen das Lampenfieber - zumindest ein bisschen. Aufgeregt sind auch die Eltern, die in der Menge nach dem Nachwuchs Ausschau halten. Ein Vater brüllt schon “Zugabe!” bevor die Vorstellung begonnen hat.

Für einen reibungslosen Ablauf haben die 45 Kinder und Jugendlichen eine Woche lange trainiert. Ehrenamtliche Fachkräfte - sogenannte Teamer - lehrten rund ein Dutzend Zirkuskünste. Die Idee eines Kinderzirkus entstand 1989 auf einer Jugendfreizeit. Seitdem nehmen auch Kinder mit geistiger Behinderung teil. Ziel ist es, Hemmschwellen abzubauen und miteinander Spaß zu haben.

2011 bildete das Leitungsteam zum ersten Mal einen Jugendlichen mit geistiger Behinderung zum Trainer aus. Im selben Jahr durften Kinder und Jugendliche aus der Tagesförderstätte der Lebenshilfe am Projekt mitwirken. Der Zirkus will nach eigener Angabe die sozialen, kreativen und motorischen Fähigkeiten der Artisten fördern.

In der Vorstellung vom Freitagabend beeindrucken alle Teilnehmer, niemand wird auf eine Komparsenrolle reduziert. Viel Jubel ernten die Clowns: Das Küchen-Disaster von Spaßmacher Antonia, Serkan und Jonathan lässt die kleinsten Zuschauer in der ersten Reihe kichern. Der eine kocht Wasser aus der Gießkanne, dem anderen sind romantische Blumengestecke wichtiger, als die Suppe, die gerade anbrennt.

Bei der Fakir-Nummer hingegen sieht man Eltern nervös auf der Lippe kauen. Wenn das eigene Kind mit dem nackten Bauch auf zerbrochenem Glas liegt oder Feuer spuckt, sind Mama und Papa aufgeregt und stolz - ebenso wie bei der Seilakrobatik in luftiger Höhe. Die Kinder indes nehmen es gelassen. “Das Training hat Spaß gemacht und der Teamgeist war toll”, sagt Leni (12). Serkan (12) ist froh, dass er unter vielen Zirkuskünsten wählen konnte.

Die meisten Kinder treten in zwei Disziplinen an. Das Motto, das alle Bereiche miteinander verbindet, ist in diesem Jahr die Seefahrt. Die Kulisse zeigt ein Kreuzfahrtschiff mit Ausguck, Bullaugen und Rettungsring. Auf dem Dampfer erleben eine Großmutter und ihre freche Enkelin Abenteuer: Zum Beispiel beim Tanz der Schwäne oder dem Piratenangriff. Für Stimmung sorgen Lichteffekte und die passende Musik.

Auch in der zweiten Ferienwoche bietet der Circus Blamage wieder ein Camp an. Die Abschlussvorstellungen sind dann am 2. Juni um 15 und 19 Uhr. Da im ersten Camp alle Vorstellungen ausverkauft waren, sollten Interessierte ihre Eintrittskarte bald reservieren.

Hintergrund: Circus Blamage

Ziel der Zirkusarbeit ist Inklusion. Mitmachen können Kinder und Jugendliche ab neun Jahren mit oder ohne geistige Behinderung. Jeweils in den Oster-, Pfingst- und Sommerferien, sowie auch manchmal im Herbst, finden Zirkuscamps statt. Seit 1992 ist der Circus Blamage eingetragener Verein, der sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert. Bereits in den Jahren zuvor, ab 1989, lud der Zirkus zu Vorstellungen. Gründungsmitglied ist Zirkuspädagoge, Clown und Feuerfakir Herr Lui, der jedes Jahr die künstlerische Leitung übernimmt. Ansonsten setzt sich der Zirkus aus 15 Teamer (Leitern) und jeweils 45 Kindern pro Camp zusammen.

Erschienen am 28. Mai 2018 im Main Echo 
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