Frische Farben für Frank

Stilberatung: Faulbacher entdeckt sich modisch neu – Experiment mit Pink und Königsblau

Lila? Frank Siegl aus Faulbach ist skeptisch. Der Farb- und Stilberaterin gefallen Magenta und Königsblau besser. Ob sie den Informatiker überzeugen kann? Foto: Julia Preißer

Aschaffenburg/Sailauf. Magenta ist keine reine Frauenfarbe, findet Colour-Coach Elke Diemar. Die Sailauferin berät Kunden in Farb- und Stilfragen. Wer zu ihr kommt, möchte sich modisch verändern und sucht Tipps. Die meisten ihrer Kunden sind weiblich, doch manchmal klopft auch ein Mann an ihre Tür – so wie heute.

Frank Siegl aus Faulbach lässt sich ein auf das Abenteuer Farbberatung. Modisch ist er nicht unerfahren: Vor 20 Jahren absolvierte er eine Ausbildung im Miltenberger Outlet Center. Mittlerweile ist er Systemadministrator und beschäftigt sich mehr mit Servern, als mit Stoffen. Das Thema Mode findet er dennoch „nicht uninteressant. Man sollte wissen, wie man sich kleidet und nach außen wirkt. Mal schauen, ob ich mit meinem Stil richtig liege.“

Heute trägt Frank Siegl Polohemd, beige Stoffhose und Hut – den mag er besonders. Sein Stil wird von der Farbberaterin später analysiert. Jetzt geht es erst mal um Theorie und die ist ganz und gar nicht grau. Elke Diemar erklärt die Farbtypen, wie man sie aus diversen Frauenzeitschriften kennt: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Im Gegensatz zu vielen Kollegen, lehrt Diemar auch zwei Mischtypen: Den Frühling-Herbsttyp und den Sommer-Wintertyp.

Siegl ist ein Wintertyp. Er hat helle Haut aber dunkle Haare und Augen. „Dem Wintertyp stehen klare, strahlende aber kälter wirkende Farben“, weiß die Beraterin. In schneebedeckter Landschaft machen sich Königsblau, Türkis und Zitronengelb besonders gut. Auch Siegls schwarzes Polohemd findet bei Diemar Bestätigung: „Schwarz ist perfekt für Sie! Viele tragen es zu unrecht, denn es steht ausschließlich dem Wintertyp.“ Der Informatiker scheint modisch Geschmack zu haben – schwarz ist seine Lieblingsfarbe.

Die Sailauferin will ihrem Kunden jetzt zeigen, wie Farben auf der psychischen und körperlichen Ebene wirken können. Frank Siegl setzt sich dazu vor einen Spiegel mit Tageslichtbeleuchtung. Die zeigt unbarmherzig jeden Bartstoppel. „Wichtig ist mir, dass Sie die Farben erleben“, erklärt Elke Diemar während sie ihm nacheinander verschiedene Stoffmuster um den Hals legt. Bei Orange fühlt sich Frank „überstrahlt“, mit Silber kann er sich anfreunden. Die Bartstoppeln sehen bei Braun besonders zauselig aus – also weg damit.

„Es ist toll, Männer zu analysieren“, sagt Diemar. „Die haben oft eine genaue Vorstellung von dem, was ihnen steht und was nicht.“ Uneinig sind sich Diemar und Siegl beim Magenta. Der Tipp der Farbberaterin: „Es muss ja nicht gleich ein ganzer Pullover in Magenta sein. Auch ein Hemd, das unter dem Pulli hervorblitzt, kann toll wirken.“

Nun geht es an Siegls Kleidungsstil. Schnell wird klar: Er ist ein lockerer Typ mit lässigem Charme und einem extravaganten Faible für Hüte. Diemar rät ihm, seine Offenheit noch mehr zu unterstreichen, indem er das Hemd über der Hose trägt und auch mal zur Lederjacke mit Kapuze greift.

Siegl will das Experiment wagen und trifft sich eine Woche später mit der Farbberaterin zur Shoppingtour in Aschaffenburg. Elke Diemar war fleißig und überreicht ihrem Kunden eine Mappe mit Fashion-Vorschlägen. Lob findet Siegls heutiger Look mit königsblauem Hemd. Seine „Treter“ lassen allerdings zu wünschen übrig und so geht es in einen schicken Schuhladen in der Frohsinnstraße.

Hier ist die Männerabteilung kurioserweise ebenso groß, wie die für Frauen. Frank freut's. Böse Erinnerungen an bisherige Schuhkäufe, als er inmitten hoher Hacken den einzigen Schuh in seiner Größe (45!) suchte, verblassen. Hier fühlt er sich wohl – und arbeitet obendrein noch an seinem Wortschatz. Denn einen „Monk“ kannte Siegl bisher nur aus US-Krimis. Im Schuhjargon ist ein Monk (Kurzform für Monkstrap) ein Herrenschuh, der statt Schnürsenkeln ein oder zwei Riemen hat.

Momentan gibt es Monks in Stiefeletten-Form, die Frank Siegl aber ablehnt. Er braucht Bewegungsfreiheit und bevorzugt einen praktischen Halbschuh. Elke Diemar ist sofort zur Hand: Der Vintage-Sneaker wirkt auf den ersten Blick gewöhnungsbedürftig – angezogen gefällt er! Siegl hat seinen ersten Einkauf in der Tüte. „Mal was ganz Neues“, findet er und ist zufrieden.

Elke Diemar will ihre Kunden verändern, aber nicht umformen. Deshalb analysiert sie neben der Optik auch die Persönlichkeit. In der nächsten Boutique soll Franks Siegls Lässigkeit einen neuen Anstrich bekommen – in marineblau. Während die Stilberaterin mit einer Kapuzenjacke liebäugelt, sucht der Verkäufer das passende Hemd und macht seinem Kunden Komplimente. „Zeigen Sie Ihre Heldenbrust!“, schmeichelt er und der 1.91 Meter große Informatiker steht gleich etwas strammer.

Farbberaterin und Kunde sind nach 3-stündigem Einkaufsmarathon zufrieden. Etwa 300 Euro hat Frank Siegl heute locker gemacht. Die Farbberatung kann er weiterempfehlen. Nun ist er gespannt, wie sein neues Outfit bei der Damenwelt ankommt.

Ganzheitliche Farbberatung

Den psychologischen Aspekt der Farben zu analysieren, ist Ziel einer Ganzheitlichen Farbberatung. Stilberater, die in diesem Bereich geschult sind, gehen davon aus, dass Farben auf der körperlichen und psychischen Ebene wirken. Mit Gelb wird beispielsweise Heiterkeit und Wärme, mit Blau Ruhe und Entspannung assoziiert. Im Gegensatz zur herkömmlichen Farbberatung steht bei der Ganzheitlichen Farbberatung nicht nur die reine Optik im Vordergrund. Wer eine Lieblingsfarbe hat, dessen Ton nicht seinem Farbtyp entspricht, darf sie trotzdem tragen. Die Ganzheitliche Farbberatung erklärt, dass Farben zum emotionalen Wohlbefinden beitragen können. Teile der Feng-Shui-Wohnungsgestaltung bauen darauf auf. Mehr Infos unter www.color-style.de

Erschienen am 9. Januar 2015 im Main Echo 
Schluss mit schummriger Schankstube
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