Erklärungsnot bei kuriosem Fund

Aktion »Saubere Flur«: Dutzende Vereine haben am Samstag mit Müllsäcken den Landkreis durchkämmt

Sammeln ein, was andere weggeworfen haben: Die Freiwillige Feuerwehr in Streit durchkämmt Ort und Feldwege im Rahmen der Aktion Saubere Flur. Rund ein Viertel des Trupps sind Kinder. Foto: Julia Preißer

Erlenbach-Streit. Sie sind Profis in Sachen saubere Flur. Seit Jahrzehnten greifen die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr in Streit zu Müllsack und Greifzange und sammeln ein, was andere liegenlassen. Mit rund 40 Sammlern gehört die Streiter Feuerwehr zu den größeren Gruppen im Landkreis. Am Samstag durchkämmten sie das Areal zwischen Streit und Schmachtenberg. Ab halb zehn ist der Trupp unterwegs. Immer an der Seite: Hund Laika, der von einem Sammler augenzwinkernd zum »Müllschnüffler« erklärt wird. Nun beschnüffelt er aber erst einmal die Mitglieder. Begrüßt vertraute Gesichter mit Schwanzwedeln. Leckt hier und da eine Hand, die ihn streichelt.

In der Feuerwehrhalle stehen neben einem Einsatzfahrzeug, das heute Pause macht, mehrere Greifzangen und eine Box mit Müllsäcken. In drei Stunden will das Team das Gelände durchkämmt haben. Viele Mülltüten werden sie nicht brauchen. Vielleicht drei oder vier. Die Müllmenge habe sich in Streit mit den Jahren deutlich reduziert, sagt Vereinsvorsitzender Peter Kümpel. Vor rund zehn Jahren habe man noch eine ganze Lastwagenpritsche weggefahren. Vor zwei Jahren sei es dann nur rund ein Kubikmeter gewesen. Weil die Aktion im vergangenen Jahr coronabedingt ausfallen musste, rechnen die Sammler in diesem Jahr wieder mit mehr Müll. Der Trupp verteilt sich im Gelände. Bis auf die Kinder sind fast alle geimpft, trotzdem bleiben sie in Kleingruppen. Kümpel motiviert sein Team noch einmal vor dem Start. Ein paar Kinderaugen blicken noch verschlafen. Rund ein Viertel des Trupps sind Kinder und Jugendliche. Das Kleinste wird vom Papa im Buggy geschoben. Vereinsvorsitzender Kümpel ist stolz auf den Feuerwehrnachwuchs. »Die Kinder, die von klein auf beim Müllsammeln dabei sind, werfen später keine Pommespackung aus dem Autofenster«, sagt er. Vor ein paar Jahren sei das Team einmal in Erklärungsnot gekommen, erzählt Kümpel lachend. Drei Kinder hatten beim Müllsammeln eine halbierte Sexpuppe gefunden und gefragt, was das sei. Die Erwachsenen erklärten die Kuriosität kindgerecht. Es sei eben eine Puppe. Es sind längst nicht immer Taschentücher und Pommespackungen. Zum Standard gehören verrostete Fahrräder, ebenso wie alte Autoreifen. »Vom Dreirad bis zum Wohnzimmersessel hatten wir fast alles«, sagt Kümpel. Heute findet das Team vor allem Bierflaschen und -dosen. »Ob das an den Coronamaßnahmen liegt?«, feixt Peter Kümpel und mutmaßt, dass sich das Biertrinken vom Gasthaus nach draußen verlegt habe.

Schwierigkeiten machen dem Team die mannshohen Maisfelder. Gerade am Feldrand finden sich oft Plastikverpackungen - von Autofahrern aus dem Fahrzeug geworfen. Doch weil die Aktion in diesem Jahr statt im Frühling im Spätsommer stattfindet, lässt sich das Maisfeld schwer durchkämmen. Die Sammler sparen den Mais deshalb aus und heben nur auf, was direkt am Wegrand oder auf den Wiesen liegt. Ein Kubikmeter Müll kommt zusammen – »recht wenig«, sagt Kümpel und freut sich. Der Erlenbacher Bauhof wird die Säcke am Nachmittag abholen und zum Wertstoffhof fahren.

Zahlen und Fakten: Aktion saubere Flur

30 Tonnen Abfälle trugen die Teams im Landkreis Miltenberg bei ihren örtlichen Flursäuberungsaktionen bis 2010 jedes Jahr zusammen. Danach sanken die Zahlen auf etwa 19 Tonnen im Jahr. Dies könnte auch daran liegen, dass sich in den vergangenen Jahren weniger Gruppen beteiligt hatten und deshalb weniger Müll eingesammelt wird. Bei der Aktion saubere Flur kann sich jeder beteiligen, der mitmachen kann und möchte. Den größten Anteil machen lokale Vereine, sowie Schulen und Kindergärten. Gesammelt wird sowohl in den Gemeinden als auch zwischen den Ortschaften und auf den Wanderwegen in Spessart und Odenwald.

Erschienen am 29. September 2021 im Main Echo 
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