Vollbremsung hinterlässt Spuren

Sicherheitstraining: Schüler des Hermann Staudinger Gymnasiums staunen über Gefahren des Straßenverkehrs

Trockenübung: Fünftklässler lernen spielerisch den Unterschied zwischen Bremsweg und Anhalteweg. Foto: Julia Preißer

Erlenbach. Das Auto rast auf die Bremslinie zu. 50 Stundenkilometer! Das wird kritisch. Die Schüler des Hermann Staudinger Gymnasiums sind sich dennoch einig: Der Wagen wird rechtzeitig halten. Als die Stopp-Fahne fällt und das Auto bremst, folgt eine ernüchternde Erkenntnis. 24 Meter braucht das Fahrzeug, um stehen zu bleiben. Das hatte niemand vermutet.

“Hallo Auto”, das Verkehrssicherheitstraining des ADAC Nordbayern, zeigt Kindern anhand von Beispielen wie wichtig es ist, im Straßenverkehr aufmerksam und vorsichtig zu sein. Am Mittwoch hat sich die Klasse 5c auf der Teststrecke hinter der Schule versammelt. Lehrerin Sabine Heger verfolgt das Geschehen mit Argusaugen. Ob hier auch Erwachsene noch etwas lernen können?

“Kinder schätzen Geschwindigkeiten nicht richtig ein”, sagt ADAC-Moderatorin Hanna Bayn. Sie unterschätzen den Bremsweg und auch den toten Winkel.” Natürlich wissen die Fünftklässler, dass man sich anschnallen soll. Aber gehört der Gurt über das Schlüsselbein, die Schulter oder unter die Achsel? Und was ist eigentlich der Unterschied zwischen Bremsweg und Anhalteweg?

Letzteres lernen die Schüler in der nächsten Übung. “Bitte alle an der Linie aufstellen”, instruiert die Moderatorin. “Auf mein Zeichen rennt ihr los und wenn ich die Fahne schwenke, bleibt ihr stehen, so schnell ihr könnt.” Gesagt getan: 40 Füße flitzen über den Asphalt. Die Fahne schlenkert, die Schüler versuchen zu bremsen, taumeln und kommen torkelnd zum Stehen - mehrere Meter nach der Stopplinie.

“Learning by doing” ist das Motto der Verkehrserziehung des ADAC. Heute lernen die Kinder, dass der Anhalteweg aus Reaktionszeit und Bremsweg besteht. Etwa eine Sekunde braucht ein Fahrer, um in einer Gefahrensituation auf die Bremse zu gehen. Bis das Auto schlussendlich steht, vergeht nochmals Zeit.

Auf die Frage, wo das Auto nach einer Vollbremsung bei 50 Kilometern pro Stunde halten könnte, positioniert sich Samuel selbstsicher einen Meter hinter der Stopplinie. “Das ist zu knapp”, ruft einer. “Du musst weiter hinter”, sagt ein anderer. Samuel weicht Meter um Meter zurück.

Wirklich gefährlich ist die Trockenübung natürlich nicht. Bevor Hanna Bayn den Motor anspringen lässt, darf Samuel an seiner statt ein Verkehrshütchen aufstellen. Auch die anderen positionieren ihre Hütchen am Straßenrand - und unterschätzen die Situation gewaltig. “Was wäre denn nun im Ernstfall passiert?”, fragt Bayn. Prompt kommt die Antwort: “Dann wären wir jetzt tot.”

Im letzten Teil dürfen die Kids selbst ins Auto steigen. Hanna Bayn will ihnen zeigen, wie gefährlich eine Vollbremsung ist. Mit 15 Kilometern pro Stunde kann richtig angeschnallt zwar noch nichts passieren, ordentlich durchgeschüttelt werden Schüler aber trotzdem. Die Moderatorin erklärt: “Erst ab einer Größe von 1.50 Meter dürft ihr ohne Kindersitz fahren. “Sonst drückt euch der Gurt schlimmstenfalls die Luft ab.”

Die unkonventionelle Verkehrserziehung hat Eindruck hinterlassen — bei bislang 245.000 Schülern und 10.000 Klassen. Am Freitag sind die Schüler der Barbarossa Mittelschule an der Reihe. Danach tourt Hanna Bayn weiter durch Nordbayern.

Erschienen am 1. Juni 2017 im Main Echo 
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