Mit dem Oldtimer durch fünf Kontinente

Abenteuer: Rallye-Legende Heidi Hetzer spricht in der Kinopassage über ihre Weltumrundung

Er düste mit knapp 90 um die halbe Welt: Der Hudson Great Eight. Foto: Michael Kauer

Erlenbach. 960 Tage, 86000 Kilometer, 60 Länder: Rallye-Legende Heidi Hetzer düste mit Oldtimer “Hudo” einmal um die Welt. Sie ist rüstige 80, er fast 90 Jahre alt; sie drahtig-schlank, er ein zwei Tonnen Koloss. Am Samstag hat Hetzer in der Erlenbacher Kinopassage von ihrer Reise erzählt. Veranstalter war der Lions-Club Main-Spessart/Obernburg.

Schuhe mit Rädern, Motorhaube und Windschutzscheibe, sowie eine Handtasche in Autoform: Heidi Hetzers Outfit ist Programm. Als sie die Bühne der Kinopassage betritt, fällt die knallrot gekleidete Lady auch wegen ihres strahlenden Lächelns ins Auge. Das hat sie während ihrer zweieinhalbjährigen Reise nicht verlernt. “Lächeln und Winken sind das Internationalste, was es gibt”, sagt sie im Interview.

Zweieinhalb Jahre dauert Hetzers Exkursion. “Ich habe so oft ans Aufgeben gedacht”, so die Berlinerin. “Aber nichts stoppt eine alte Schachtel in einer alten Kiste.” Die “alte Kiste” ist ihr “Hudo”, ein Hudson Greater Eight - Baujahr 1930. Hetzer - gelernte Kfz-Mechanikerin - hat ihn wieder fit gemacht.

Früher fuhr sie die großen Rallyes der Welt. Die Carrera Panamericaner in Mexiko beispielsweise oder die Mille Miglia in Italien. 2007 rollte sie gar von Düsseldorf nach Shanghai. Doch ihr letztes Projekt sollte das bislang größte werden: Eine Weltumrundung, wie sie ihr Vorbild Clärenore Stinnes 1927 als erster Mensch gewagt hatte.

Was Hetzer anfangs nicht weiß: Sie wird Stinnes um das Doppelte der Streckenlänge toppen. Doch wie schafft man einen fast 90 Jahre alten Oldtimer von Chile über die Anden bis nach Afrika? Und wo befindet sich in der Kalaharie die nächste Tankstelle? Fragen, denen die 80-Jährige manchmal sprachlos gegenübersteht.

In den peruanischen Anden will sie hinschmeißen. 4500 Höhenmeter - da ist die Luft dünn und die Kopfschmerzen plagen. In den bolivianischen Bergen macht der Motor schlapp und Hetzer sucht ein Abschleppauto. Weil sich keines finden lässt, wird sie selbst findig. Ein Mercedsfahrer, der kurz anhält, wird zum unfreiwilligen Helfer in der Not. Hetzer bindet ihm einfach unbemerkt das Seil an den Wagen. Da kann er dann gar nicht anders.

“Man muss ein willensstarker Mensch sein und viel Optimismus haben”, sagt sie. Zum Beispiel, wenn das Heimweh plagt oder die Sehnsucht nach dem neugeborenen Enkel. “Wenn ich Deutsche getroffen habe, habe ich nur noch geheult.” Doch trotzdem zieht es sie weiter. Selbst eine Krebsdiagnose wirft sie nicht aus der Bahn. Zwar fliegt sie nach Deutschland, lässt sich operieren. Vier Wochen später thront sie aber wieder auf Hudos Fahrersitz.

Einmal will sie zur Abwechslung Moped fahren. Da reist ihr jemand die Handtasche von den Schultern und Hetzer gleich mit hinab. Ein anderes Mal streikt Hudo und Hetzer sucht am laufenden Motor nach einem Ölleck, als das Auto anspringt und sie zwei Finger verliert. Der Arzt, der sie operiert schreibt später: “She is a very difficult lady” - sie ist eine sehr schwierige Frau, weil sie nur eine statt zwei Ops mitmacht und lieber mit Mullbinde weiter düst.

Alle fünf Kontinente hat Hetzer durchfahren. Ihre Erzählung ist mitreißend. Nur eines kann sie wieder nicht lassen. Schon im ZDF-Morgenmagazin war die 80-Jährige durch rassistische Äußerungen aufgefallen, hatte sich später entschuldigt. Am Samstag erzählte sie von “Schwarzen, die nicht arbeiten wollen. Es ist mir auch egal, ob das jetzt politisch korrekt ist”, schießt sie hinterher.

Hetzer will nun erst einmal ausruhen, doch lang hält es sie nicht auf festen Füßen. Schon ist die nächste Tour geplant: 2018 möchte sie Ägypten bereisen. Dann aber mit einem Range Rover aus dem Jahr 1996 - mit Allradantrieb. Und was ist mit Hudo? Der soll ins Museum. Allerdings nur, wenn Hetzer ihn ab und an noch fahren darf. “Vermodern lass ich ihn nicht”, so die Rallyefahrerin. Julia Preißer

Hintergrund: Wer ist Hudo?

Er schaffte 86.000 Kilometer mit knapp 90 Jahren – Hudo. Doch wer ist der rüstige Oldtimer, mit dem Rallyelegende Heidi Hetzer um die Welt düste? Hudo ist ein Hudson Greater Eight, Baujahr 1930. Seine Wiege liegt in Nordamerika bei der Automobilfirma „Hudson Motor Car Co.“. Früher hatte Hudo viele Geschwister. Jetzt soll es nur noch fünf Exemplare weltweit geben. Seine Adoptivmutter ist Heidi Hetzer, die den zwei Tonnen Koloss für 29000 Euro bei Ebay ersteigert hat. Von ihr bekam Hudo auch seinen Namen; „Hu – do“ - steht für Hudson und Udo, dem Namen des Vorbesitzers. Trotz seines hohen Alters kommt Hudo bereits mit stattlichen 80 PS und acht Zylindern daher.

Erschienen am 22. Mai 2017 im Main Echo 
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