Maya und Max holen Gold

Pferdesport: Die achtjährige Maya Kiefer aus Bürgstadt siegt bei Führzügelwettbewerb für Nachwuchsreiter - gleich zwei Bürgstädter Mädchen an der Spitze

Zwei Mädchen, zwei Finalistinnen: Maya Kiefer (links) und Lea Kaupert maßen sich auf dem Internationalen Reitturnier in Frankfurt mit 18 Kontrahenten. Maya holte die Goldmedaille. Foto: Julia Preißer

Bürgstadt/Frankfurt Im Blitzlichtgewitter ist Maya Kiefer routiniert: Lächeln, gerade sitzen, mit den Augen die Kameras suchen. Die achtjährige Bürgstädterin, die privat eher schüchtern wirkt, musste sich am vergangenen Wochenende mehrmals vor den Fotografen in Szene setzen. Sie gewann den Führzügelwettbewerb beim Internationalen Festhallenturnier in Frankfurt. Dort maßen sich von Donnerstag bis Sonntag Spitzenreiter aus aller Welt.

Für den Termin mit der Lokalpresse macht Maya ihr Pferd Max frisch. Das zwölfjährige Shetlandpony bekommt zwei Turnierschleifen in die schwarze Mähne gesteckt und wird noch einmal durchgekämmt. Mayas Freundin Lea Kaupert sattelt derweil ihre Stute Momo. Beide Mädchen schafften es beim Führzügelwettbewerb der deutschen Nachwuchsreiter ins Finale. Dabei stand zunächst nicht einmal fest, ob sie überhaupt teilnehmen dürfen.

“Wir hätten nie mit dieser Chance gerechnet”, gesteht Mayas Mutter Yvonne Kiefer. Etwa 60 Kinder aus ganz Deutschland hatten sich für die Führzügelklasse beworben. 20 davon schafften es ins Turnier, vier ins Finale. Knifflig war vor allem die Vorauswahl. Denn dabei konnten die Bewerber nicht mit ihren Reitkünsten punkten. Stattdessen sollte eine kreative Arbeit über den Erfolg entscheiden.

Maya bewies Fingerfertigkeit und bastelte ein dreidimensionales Turniergelände in Miniaturform. Das Modell zeigt einen Parcours mit Stangen aus Schaschlikspießen, Bonsai-Bäumen aus Glitzerpapier und zwei Pferdeköpfen als Scherenschnitt. Außerdem zeigte Maya in einem selbstgedrehten Video, wie sie sich auf das Turnier vorbereitet. Die zehnjährige Lea überzeugte mit einer Leinwand, auf der sie Szenen aus dem Training mit Moosgummi und Fotos festhielt.

“Ich war so happy, als die Zusage im Briefkasten war”, erzählt Lea und Maya muss lachen, als sie davon berichtet, wie der Vater ihr schelmisch weismachen wollte, er habe den Brief mit der Teilnahmebestätigung aus Versehen weggeworfen. “Der hat’s voll spannend gemacht”, sagt sie. Von da an übten beide Mädchen mit ihrer Reitlehrerin Maria Rose das Traben und Aussitzen - weich mit dem Pferd schwingen, statt sich verkrampft festzuklammern.

Kurz vor dem Wettbewerb dann die Ernüchterung: Die Mädchen können nicht mehr trainieren. Regen und Frost haben den Reitplatz in Mönchberg, auf dem Maria Rose die beiden coacht, spiegelglatt werden lassen. Lehrerin und Eltern rechnen ihren Schützlingen wenig Chancen zu. “Frau Rose meinte, wir sollten den Führzügelwettbewerb als Erlebnis sehen und nicht auf einen Sieg hoffen”, sagt Leas Mutter Tamara Kaupert.

Am ersten Wettkampftag flößen die etwa 2500 Zuschauer auf den Tribünen den Mädchen Respekt ein. “Ich war sehr aufgeregt”, sagt Maya und Lea ergänzt: “Du musst einfach ganz ruhig atmen, dann geht das schon.” Dann erzählt sie, wie sie von ihrer Lehrerin auf den Turnierplatz geführt wurde. “Man musste durch ein großes Tor und dann waren da auf einmal ganz viele lila Scheinwerfer und man hat sich cool gefühlt.”

Für beide ist es das bislang größte Turnier. Beim Führzügelwettbewerb führt ein Trainer die Kinder ab sechs Jahren durch den Ring. Die Jury prüft den Sitz des Reiters und beurteilt, wie gut der Reiter mit dem Pferd harmoniert. Auch die Optik ist wichtig. In stundenlanger Arbeit bereiteten Maya und Lea die Pferde vor: Schweif föhnen, Fesseln waschen, Zöpfe flechten, Zaumzeug polieren. Von den Müttern gab’s ein Gratis-Makeup für die Mädchen samt Glitzer auf Mund und Lidern.

Die Goldmedaille holte am Ende Maya. “Die Richter haben gesagt, dass ich leicht trabe und gut mitschwinge”, sagt sie stolz aber auch ein bisschen verlegen ob der Aufmerksamkeit. Sie ist eben doch noch nicht ganz angekommen in der routinierten Wettkampfwelt. Trotzdem sind die nächsten Meilensteine geplant: Maya verlässt die Führzügelklasse und widmet sich dem Dressurreiten. Lea will sich im Springen beweisen. Beide Mädchen halten an ihrem Ziel fest, irgendwann so zu reiten wie Meisterin Ingrid Klimke.

Internationales Festhallenturnier Frankfurt

Seit 48 Jahren gilt das Internationale Festhallenturnier in Frankfurt als feste Größe im Pferdesport weltweit. In der Woche vor Weihnachten messen sich hunderte Reiter in hochdotierten Dressur- und Springprüfungen. Wichtigste Wettkämpfe sind das Finale der renommierten Nachwuchs-Turnierserie Nürnberger Burg-Pokal, die Dressurprüfung Grand Prix Spécial, die Grand Prix Kür, die Springprüfung Champions Cup und der mit 250.000 Euro dotierte Große Preis von Hessen, die dritthöchstdotierte Springprüfung in Deutschland. Einige Gewinner der letzten Jahre haben ihr Talent schon als Kind beim Führzügelwettbewerb bewiesen. Bei dieser nationalen Prüfung werden die kleinsten Reiter ab sechs Jahren von einem Lehrer über das Feld geführt und von einer Jury beurteilt.

Erschienen am 22. Dezember 2018 im Main Echo 
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