Ein Spiel mit Glas und Licht

Klingenberger Kunstinitiative eröffnet mit einer Ausstellung des Künstlers Hans König – faszinierende Skulpturen und neue Ateliers in der Altstadt

Spiel mit Licht und Glas: Die Skulpturen des Klingenberger Künstlers Hans König faszinieren. Foto: Julia Preißer

Klingenberg.Einem der bedeutendsten Klingenberger Künstler des 20. Jahrhunderts widmet sich die Eröffnungsausstellung der Aktion „Kunst begegnet Kultur – eine Stadt wird zum Atelier“. Bürgermeister Ralf Reichwein hat am Samstagabend die Ausstellung mit Werken von Hans König im Löw-Haus in der Altstadt eingeweiht. Im Gewölbe des historischen Gebäudes konnten neben Wandbildern vor allem Plastiken des 2005 verstorbenen Künstlers und Bildhauers bestaunt werden.

Besonders das Licht und sein Wiederspiegeln im Glas war es, was König zeitlebens beeindruckt hat. Deshalb verzichtete er in seiner letzten Schaffensperiode auf gegenständliche Kunst und wandte sich dem Abstrakten zu. Mit Glasteilen, die er zu eigenwilligen Skulpturen aneinanderreihte, fing er das Licht ein, das immer auch Teil seiner Ausstellungen war.

Das steinerne Gewölbe im Löw-Haus bildet einen reizvollen Kontrast zu den Glasskulpturen. Kleine Spots beleuchten die Werke partiell und lassen sie im Licht glänzen. „Jeder Schatten ist im Letzten doch ein Kind des Lichts“ soll Hans König einmal gesagt haben. Ein Wort, das die Persönlichkeit des Künstlers wohl am besten widerspiegelt.

Als dankbaren Menschen beschrieb ihn sein langjähriger Freund Horst Striegel am Samstagabend. Er sei von einer tiefen Beziehung zum Licht – auch im übertragenen Sinn – geprägt worden. „So war er wohl immer überzeugt: Auch wenn wir Licht nicht sehen, es gibt es doch“, sagte Striegel. In Anlehnung an Hölderlin hat König einst gesagt: „Bei allem, was es durchzustehen gab, kommt schließlich eine Summe Freude und Leben heraus – und das bis zum heutigen Tag.“

In der Nachkriegszeit übernahm Hans König den Auftrag, einen Kreuzweg für die Kirche St. Maria Magdalena in Trennfurt zu gestalten. Das Mosaik ist dort auch heute noch Zeugnis seines kreativen Schaffens. Weitere seiner Werke finden sich in der Pfarrkirche St. Konrad in Aschaffenburg und in der Herz-Jesu-Kirche in Frankfurt Eckenheim. In den 1950ern und 1960ern lehrte König außerdem an der Meisterschule für Steinbildhauer in Aschaffenburg.

Erste Versuche mit Glas begannen in dieser Zeit – Hinterglasmalerei und Experimente, das bewegliche Licht als Gestaltungselement einzufangen. Es folgten Kombinationen aus Glas und Metall. Das Spiel mit den Materialien und Kontrasten faszinierte ihn. Königs Tochter Cornelia König-Becker erzählte den Vernissage-Besuchern von ihrem Elternhaus, das ebenfalls vom Kontrast geprägt war – ein abstrakter Baukörper mitten in der Natur. Hans Königs Begeisterung für den Architekten Le Corbusier soll die Gestaltung des Hauses bestimmt haben.

Die Klingenberger Ausstellung ist so vielseitig und kontrastreich, wie es auch der Künstler war und verspricht einen lohnenden Besuch in der Altstadt. Dort haben am Samstagabend im Rahmen der Aktion „Kunst begegnet Kultur – eine Stadt wird zum Atelier“ mehrere Ateliers eröffnet. Elf regionale Kunstschaffende präsentieren zunächst dreimal pro Woche ihre Werke. Im Löw-Haus hat der Kunstraum, der ursprünglich im Miltenberger Schwarzviertel angesiedelt war, eine Ausstellungsstätte gefunden.

Mit der Kunstinitiative will die Stadt Klingenberg einen wichtigen Schritt zur Aufwertung der Altstadt tun. „Wir sehen die Aktion als einen Beginn, wieder Leben in die Stadt zu holen“, sagte Bürgermeister Ralf Reichwein am Samstag. „Kunst kennt keine Grenzen, aber Künstler brauchen eine Heimat – und die ist in Klingenberg.“

Erschienen am 20. April 2015 im Main Echo 
Reichwein: Stadt muss mehr tun für Jung und Alt
Zur Liste
Rauschbrille, Vollbremsung, Trockenübung