Wie Wallach Looping ein Einhorn wird

Reitsport: Jubiläumsturnier des Eichenbühler Vereins erstmals mit Kostümspringen – Gäste aus ganz Bayern

Julia Kessler beeindruckt als Squaw mit waschechtem Indianergruß. Foto: Julia Preißer

Eichenbühl. Looping ist eigentlich ein stolzer Wallach und damit auch zufrieden. Am Sonntagnachmittag jedoch widerfuhr ihm Magisches. Besitzerin Lynn Sakulas verwandelte ihn kurzerhand in ein Einhorn. Die 14-jährige Großheubacherin trat mit Looping zum Kostümspringen an. Das nicht ganz ernst zunehmende Event war Teil des 40. Jubiläumsturniers des Eichenbühler Reit- und Fahrvereins.

Es ist kurz vor fünf Uhr nachmittags, als aus dem braven Schimmel ein lilafarbenes Einhorn wird. Das Zaubermittel heißt Haarkreide und stammt aus der Drogerie. Die Purpur-Paste ist eigentlich für Menschenhaar gedacht, soll aber heute für Looping herhalten. Mutter Melanie Sakulas zieht die Kreide durch Loopings Mähne. Der Schimmel, der sich sonst nur in weiß kennt, blickt etwas pikiert und schnaubt. Doch da muss er jetzt durch.

Derweil nimmt die Jury auf dem Turniergelände ihren Platz ein. Weil beim Kostümspringen sowohl Einfallsreichtum als auch die technische Leistung zählen, teilt sich die Jury in zwei Gruppen. Auf dem Richterturm bewerten Juroren Zeit und Fehlerpunkte, während das Komitee für den kreativen Teil aus der Mitte des Platzes die beste Aussicht genießt.

Für Nina Aulbach kam der Job als Kreativjuror unverhofft. Der Reitverein hatte sie, gemeinsam mit zwei weiteren Kandidaten aus dem Publikum, kurzfristig für das Amt vorgeschlagen. Nun hofft sie auf gute Unterhaltung und originelle Kostüme. Neben der Idee bewertet das Komitee auch Umsetzung und Präsentation.

Wallach Looping trägt mittlerweile lila Mähne und Schweif und wirkt verhältnismäßig gefasst. Auch die Tülltücher im Schweif scheinen ihn kalt zu lassen. Reiterin Lynn hat sich passend dazu in ein Outftit aus Tüll geworfen. Den bunten Rock hat Mutter Melanie der Faschingsgarde abspenstig gemacht.

Lynn hofft vor allem auf eine gute technische Wertung. Als Reiterin kann sie auf überregionale Erfolge zurückblicken. Auch auf dem diesjährigen Jubiläumsturnier, das seit vielen Jahren als eines der größten am Untermain gilt, konnte sie überzeugen. Vor allem das Stilspringen liegt ihr. Hier bewertet die Jury den Sitz des Reiters, die Wegführung und die Harmonie zwischen Reiter und Pferd.

Auf dem Abreiteplatz neben dem Turniergelände ziehen kostümierte Pferde und Reiter ihre Kreise - Nervosität aber auch gute Laune liegen in der Luft. Eine Art schwerfällige Eleganz bietet der Affe im Sattel. Beim Anblick des Plüschkostüms stöhnt mancher Zuschauer auf. Bei der Hitze! Das Thermometer hat im Erftal längst die 30-Grad-Marke geknackt.

Warm ist auch dem Weihnachtsmann, der witzig erklärt, er sei heute ausnahmsweise ohne Geschenke unterwegs. Ob das Pferd heute schneller als ein Rentier läuft? Hinter dem Rauschebart verbirgt sich Diandra Eisert, die statt am Nordpol in Kleinostheim wohnt. “Das Kostüm hat sozusagen Familientradition”, erklärt sie. “Mein Opa hat für uns Enkel früher den Weihnachtsmann gespielt.” Diandra freut sich jetzt auf das Springen und damit verbunden auf den “Fahrtwind”, der hoffentlich durch das Filzkostüm dringe.

Alle Reiter haben vorher abgewägt, ob ihre Aufmachung beim Reiten hindert. Manch einem ist die Kostümierung, anderen die Technik wichtiger. Mit Schwimmflügeln um die Arme und einem Schwimmreif um die Hüfte springt es sich schwer. Und auch die tüllberockte Lynn entscheidet sich schließlich, ihrem Looping zur Sicherheit lieber kein Horn aufzusetzen.

Lynn pilotiert sicher, schafft es aber nicht unter die Erstplatzierten. Gleich zweimal auf dem Treppchen landet Sophie-Charlotte Schilling. Sie erhält die Goldmedaille für ihre Technik und die silberne für die Verkleidung als Harlekin. Ihre stilechte Performance als Squaw mit jodelndem Indianergruß bringt Julia Kessler den Preis fürs beste Kostüm ein.

Wallach Looping wird jetzt gewaschen und gestriegelt. Mit den Bürstenstrichen über die Mähne verabschiedet sich die lila Farbe. Das Leben als Einhorn war von kurzer Dauer.

Jubiläum des Reit- und Fahrvereins Eichenbühl

Mit 190 Mitgliedern zählt der Reit- und Fahrverein Eichenbühl zu den kleineren Reitvereinen. Sein jährliches Reit- und Springturnier am dritten Augustwochenende hat es jedoch zu Bekanntheit weit über die Region hinaus gebracht. 1200 Anmeldungen waren es heuer. Den weitesten Weg hatten Startteilnehmer aus Thierhaupten im Landkreis Augsburg. Diesjährige Besonderheiten waren eine Dressur-Prüfung der Klasse S und das Kostümspringen, wobei die Jury neben der Technik (Fehler/Zeit) auch die Originalität des Kostüms bewertete.

Erschienen am 21. August 2018 im Main Echo 
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