Verordnungen fördern Betriebssterben

Kreisbauerntag: Landwirte diskutieren über Veredelung, Jakobskreuzkraut und Strukturwandel

Günther Felßner, Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbands, plädiert für vorbildliches Verhalten auf den Landwirtschaftsbetrieben. Foto: Julia Preißer

Eschau. Wo liegt die Zukunft der Landwirtschaft? Mit welchen Problemen haben Landwirte in Bayern und im Landkreis Miltenberg zu kämpfen? Wie können bäuerliche Familienbetriebe wettbewerbsfähig bleiben? Diesen und anderen Fragen widmeten sich die Landwirte auf dem Kreisbauerntag am Freitag in der Elsavahalle. Der Vizepräsident des Bayerischen Bauernverbands Günther Felßner zeigte sich in seiner Rede überzeugt: „Es gibt für jeden Bauern eine Zukunft!“

Schwierigkeiten sieht Felßner in Auflagen wie der Anlagenverordnung für Güllelager, der Düngeverordnung und dem Tierarzneimittelgesetz. Anlagen- und Düngeverordnung sollen das Grundwasser vor giftigen Stoffen schützen. Beim Tierarzneimittelgesetz geht es darum, die Entstehung von multiresistenten Keimen aufgrund von häufiger und falscher Antibiotikabehandlung zu verhindern.

Vor allem kleinbäuerliche Betriebe leiden unter den Auflagen und dem damit verbundenen bürokratischen Aufwand. Erhöhte Lagerkapazitäten für Jauche und Gülle sowie Sperrzeiten und Einschränkungen bei der Düngung seien der Tod für kleine Landwirtschaftsbetriebe so Felßner. „In 90 Prozent der Fälle hört der Kleinbauer aufgrund der Anlagenverordnung mit der Viehzucht auf!“

Kreisobermann Josef Schiepeck bestätigte einen gravierenden Rückgang in der Viehhaltung im Landkreis Miltenberg in den letzten Jahrzehnten. „Dies ist eine Folge des Strukturwandels und der immer mehr werdenden Bürokratie, die der Jugend die Freude an der Landwirtschaft nimmt.“

Schiepeck sprach in diesem Zusammenhang auch das Greening an, das im Januar in Kraft tritt. Landwirte müssen dann bestimmte Vorgaben erfüllen, wenn sie die Betriebsprämie beantragen. Dazu zählen der Dauergrünlanderhalt, die Bereitstellung ökologischer Vorrangflächen und die Fruchtartendiversifizierung.

Günther Felßner sieht unter anderem im technischen Fortschritt eine Triebfeder für den Strukturwandel. Er forderte am Freitag eine nachhaltige Intensivierung und Veredelung in Bayern. Veredelung bedeutet in der Landwirtschaft die Umwandlung von pflanzlichen zu höherwertigen Tierprodukten.

Da die Veredelung manchmal mit Massentierhaltung und Billigexport einhergeht, steht sie bei der Bevölkerung in Kritik, auch angesichts des Welthungers: Die veredelte Landwirtschaft produziert bei gleichem Flächen- und Ressourcenbedarf weniger Lebensmittel, als die pflanzliche.

„Kritisiert wird zu Unrecht“, findet Felßner. „Die Veredelung ist nicht schuld am Welthunger! Genauso wenig wie Biogasanlagen. Schuld ist vor allem, dass die Hungernden keinen Zugang zu Lebensmitteln haben. Wir produzieren dreimal so viel, wie wir verbrauchen können.“

Es gelte nun, Akzeptanz in der Bevölkerung zu schaffen. In den Industriestaaten wachse die Nachfrage nach veredelten Lebensmitteln. „Wir müssen wettbewerbsfähig bleiben“, so der Referent. Felßners Fazit: „Es liegt an jedem Einzelnen, die öffentliche Meinung im positiven Sinn mitzugestalten. Als allererstes durch vorbildliches Verhalten auf den Betrieben.“

Kreisobermann Josef Schiepeck fehlt in der Agrarpolitik die betriebswirtschaftliche Einsicht. „Ich ärgere mich über Versprechen, die nicht eingehalten werden“, sagte er am Freitag. Ein großes Problem für die Bauern im Landkreis stellt derzeit das Jakobskreuzkraut dar, das sich in den Sommermonaten stark vermehrt hat. Von Seiten der Behörden und Ämter zeige sich hier niemand verantwortlich, so die Erfahrung vieler Landwirte.

Die Blüten und Blätter der giftige Pflanze enthalten Pyrrolizidinalkaloide und können die Leber von Mensch und Tier schädigen. Trotz monatelanger, mehrfacher Bitte habe das Straßenbauamt eine betroffene Wiese viel zu spät gemäht und gemulcht, erzählt ein Viehhalter. Wenigstens in einem Punkt konnte Günther Felßner die Landwirte beruhigen: Laut Milchmonitoring seien bisher keine giftigen Rückstände in der Milch von Tieren gefunden worden.

Christian Ruß, Geschäftsführer des Maschinenrings Untermain, sprach das Thema Klärschlamm an. Als Dünger liefere er wichtige Nährstoffe, werde aber politisch verteufelt und mit hohem Kostenaufwand entsorgt. Auch Felßner sieht einen Sinn in der Düngung mit Klärschlamm, zumal er stärker überwacht werde als manch andere Dünger.

Trotzdem stellte Felßner keine neue Klärschlammverordnung ist Aussicht: „Das Problem ist das schlechte Image. Wenn wir eine vernünftige Klärschlammverordnung haben, werden wir trotzdem weniger einsetzen, weil wir die Produkte nicht auf dem Markt unterbringen. Die Diskussion über den Klärschlamm schadet uns beim Verbraucher mehr, als sie uns nützt.“

Der Bauernverband-Vizepräsident stellte abschließend die landwirtschaftliche Aus- und Weiterbildung der Nachwuchsgeneration in den Vordergrund. Hierbei sei nicht eine schnelle, sondern eine in die Tiefe gehende Lehre wichtig.

Erschienen am 01. Dezember 2014 im Main Echo 
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