Lachsalven im Fitnessstudio

Humor: Lachtrainer Ulrich Giegerich sorgt für Freudentränen in erster Lachyoga-Schnupperstunde

Lachtrainer Ulrich Giegerich lacht sich auf der Yogamatte scheckig. Foto: Julia Preißer

Erlenbach. Wer am Mittwochabend im Join in Fitnessstudio in Erlenbach Gewichte stemmte, könnte sich gewundert haben. Es kicherte, meckerte und giggelte aus dem Nebenraum. Geschäftsführer Ulrich Giegerich hatte zum Lachyoga geladen und wenn sechs Teilnehmer von Lachanfällen geschüttelt werden, versteht man nebenan die Welt nicht mehr.

Das Lachyoga ist neu in Erlenbach. Seinen Ursprung hat es in Indien, wo der Arzt Madan Kataria das Ziel verfolgte, Menschen grundlos zum Lachen zu bringen. Meist gelingt das mit Klatsch-, Dehn- und Atemübungen, verbunden mit absurder Pantomime. “Lachen ist Mittel zum Zweck”, erklärt Giegerich. “Es beansprucht 90 Prozent der Muskulatur und reinigt die Lunge, weil es die verbliebene Atemluft ruckartig ausstößt.”

Giegerich hat sich in der Stuttgarter Lachschule zum Lachyogatrainer ausbilden lassen. Zwei Tage hat das gedauert. “Aber im Prinzip übe ich schon mein Leben lang”, witzelt er. Jetzt will er seinen Humor mit anderen teilen. Fünf Frauen und ein Mann stehen im Kreis und glucksen schon, bevor es losgeht.

Die erste Übung ist profaner, als sie klingt: Energieströme an der Nervenenden aktivieren. Im Prinzip bedeutet das klatschen. Dann übt der Trupp Lachsilben: “Ho ho hahaha!” Beim “Mango Lassi” sollen die Teilnehmer mit lautem “Hihihi” ein imaginäres indisches Kultgetränk trinken. Die ersten Lacher kommen auch ein bisschen aus Verlegenheit: “Was machen wir hier gerade?”

Richtig prusten müssen die meisten bei der “Lachkurbel”. Hier ist Fantasie gefragt. Zwei Partner stehen sich gegenüber, im Bauchnabel des einen soll eine imaginäre Kurbel stecken. Mit einem herzhaften “Hohohohoho!” fängt der andere an zu drehen. Helga Lebus, deren Bauchnabel in ihrer Vorstellung gerade um die eigene Achse wirbelt, lacht sich scheckig. “So cool!”, sagt sie. “Vom Lachen tut mir schon der Bauch weh.”

Weil nicht nur der Bauch, sondern auch die Kehle beansprucht wird, gibt es in einer Stunde Trainingszeit gleich dreimal eine Trinkpause. Ein ganzer Kanister Wasser wandert von der Theke in die Mägen der Teilnehmer. Auch Ulrich Giegerich wirkt angestrengt. Als Lachtrainer muss er motivieren. Sein Lachen ist immer ein Spur überspitzt: Zähne zeigen, Kehlkopf hüpfen lassen. Einen schlechten Tag kann man sich in diesem Job wohl nicht leisten.

Bevor die Gruppe beim Meditieren entspannen darf, erreichen die Lachsalven ihren Höhepunkt. Die Frauen trifft es zuerst: Beim Lachen und Dehnen auf der Yogamatte schießen die Freudentränen in die Augen. Der Mann im Bunde schüttelt bei diesem Irrsinn den Kopf, wischt sich aber trotzdem ein bisschen Wasser aus den Augenwinkeln.

“Ich kann es kaum noch aushalten”, sagt eine Teilnehmerin zum Trainer. “Sie müssen das stoppen!” Auch Helga Lebus fühlt sich ausgepowert. “Das ist schon heftiger als normales Lachen. Mein Gesicht spannt richtig.” Immerhin: Der Kalorienzähler um das Handgelenk zeigt nach rund einer Stunde Training minus 65 Kilokalorien. Das Bauchmuskel- und Zwerchfelltraining scheint sich gelohnt zu haben.

Hintergrund: Lachyoga

Einmal pro Woche erzählte der indische Arzt und Yogalehrer Madan Kataria in den 1990er Jahren in einem öffentlichen Park Witze. Bis zu 50 Leute kamen täglich und lauschten. Als Kataria die Pointen ausgingen, suchte er nach einer neuen Technik, um seine Zuhörer zum Lachen zu bringen. So entstand das Lachyoga, eine neue Form des Yogas, die keinen Unterschied zwischen künstlichem und natürlichem Lachen macht. Für den Körper, so Kataria, sei beides gleichermaßen gut: Die Körperzellen werden mit Sauerstoff versorgt, Herz und Kreislauf angeregt. Im Nachhinein entspannen sich die Muskeln. Mit pantomimischen Einlagen und lustigen Übungen lernen die Teilnehmer, über die eigene Absurdität zu lachen. Heute gibt es rund 10.000 Lachklubs in mehr als 70 Ländern.

Erschienen am 15. Mai 2018 im Main Echo 
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