»Thronen statt sitzen, schreiten statt gehen«

Unterbewusstsein überlisten: Mit innerer Haltung und Training die Außenwirkung gezielt optimieren

Püppchen: Barbie zeigt, wie sich das Schönheitsideal im Laufe der Zeit ändert. Foto: Julia Preißer

Goldbach. Früher war sie hauptberuflich Juristin für Scheidungsrecht. Heute hilft sie Frauen und Männern in der Liebe auf die Sprünge. Sie bezeichnet sich selbst als Liebescoach, ist als Paarberaterin, Mediatorin und Selbsthilfetrainerin tätig. Mit Julia Preißer sprach sie über innere Zufriedenheit, Partnerwahl und warum Schönheit von vielen Faktoren abhängt.

Frau Schurk-Balles, wie wird man schön?
Indem man eine gesunde innere Einstellung zu sich hat. Man spürt ja sofort, ob jemand tot dahin vegetiert oder lebendig sein Leben rockt. Wenn ich mich in meiner Haut, mit meiner Kleidung und mit meiner Frisur wohlfühle, dann strahle ich. Wenn dieses Wohlfühlen und Strahlen allerdings nur an das Äußere geknüpft ist, lässt es bald wieder nach. Gerade bei Frauen ab dem mittleren Alter sieht man sehr gut, ob sie zufrieden mit sich und der Welt sind. Dann strahlen sie eine innere Harmonie und Entspannung aus. Man kann noch so viel drauf schmieren oder körperlich intervenieren, wenn Frau unzufrieden ist. Wenn jemand eine Schachtel Zigaretten raucht und danach eine Feuchtigkeitsmaske auflegt, glaubt auch niemand ernsthaft, dass damit die Wirkung der Zigaretten aufgehoben ist.

Und was wenn die Frau oder der Mann mit sich unzufrieden ist? Kann man das abtrainieren?
Natürlich – das üben meine Klienten in meinen Kursen. Mit unsicheren Frauen trainiere ich, sich wie eine Königin zu fühlen. Das heißt zunächst einmal Haltung einnehmen, thronen statt sitzen und schreiten statt gehen – einfach Souveränität zeigen. Das ist für die Klienten natürlich ungewohnt aber so kann man auf Dauer sein Unterbewusstsein austricksen. Das Unterbewusstsein ist überhaupt entscheidend – nicht nur für die Sicht auf sich selbst, sondern auch darauf, wie Andere einen wahrnehmen. Man weiß inzwischen, dass es nur einen Bruchteil von Sekunden dauert, bis das Gegenüber einen eingeschätzt hat. Um attraktiv zu wirken, muss ich zunächst mir selbst und meinem Körper signalisieren: Ich bin die Herrscherin.

Kommt so eine Herrscherin bei den Männern wirklich gut an?
Herrscherin sein heißt ja nicht, den Mann zu dominieren. Eine Herrscherin ist zunächst mal Chefin über sich selbst und über unbegründet und ungute Einflüsse ihres Unterbewusstseins. Die meisten Beziehungsprobleme entstehen, weil die Kommunikation zwischen beiden nicht funktioniert. Der Mann weiß nicht, was die Frau will. Warum? Weil sie es selbst nicht richtig weiß und weil viel zu viele unterbewusste Sehnsüchte, Ängste etc. mitspielen. Wenn eine Frau ihr Unterbewusstsein kennt – das gilt im übrigen auf für den Mann – kann sie lernen es zu verstehen und ins Positive umzukehren. Man soll nicht gegen den Drachen kämpfen, sondern mit ihm fliegen.

Stehen Frauen, was Schönheit angeht, heutzutage unter einem größeren Druck?
Nicht nur was Schönheit angeht. Früher war Heirat eine Versorgersache. Der Mann wollte gewaschene Socken und hat dafür das Geld nach Hause gebracht. Heutzutage muss eine Frau Ehefrau, Mutter, Hausfrau und Berufstätige sein – und bei allem noch gut aussehen. Das ist ja zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Ich habe oft taffe und erfolgreiche junge Mütter bei mir sitzen, die kurz vor einem Burnout stehen, weil sie sich nicht vierteilen können. Der Satz den ich oft höre ist: „Aber die Anderen schaffen es doch auch.“

Wenn Frauen all das beherrschen müssen, warum steht dann bei vielen Männern die Attraktivität ihrer Partnerin so weit im Vordergrund?
Optische Eindrücke werden natürlich zunächst assoziiert mit Fruchtbarkeit und Fortpflanzung. Hier ist vieles hormongesteuert – bei Männern wie Frauen. Frauen wissen das übrigens genau und legen deshalb viel mehr Wert auf ihr Aussehen, als Männer. Aber eine schöne Partnerin ist noch lange nicht gleichbedeutend mit einer glücklichen Partnerschaft. Es gibt Frauen, die keinem Schönheitsideal entsprechen und die tollsten Männer bekommen. Ein Mann beurteilt eine Frau danach, wie es ihm mit ihr geht. Männer brauchen vier Dinge: Ruhe, Sex, Service und das Gefühl, der Einzige für die Frau zu sein. Der Mann trennt deshalb äußerliche und innerliche Attraktivität. Ein großes Vorbild für den Mann bei der Partnerwahl ist übrigens die eigene Mutter.

Klingt nach einem Klischee?
Das sind eben die archaischen Strukturen, die in jedem Unterbewusstsein vorhanden sind. Die Mutter und der Vater sind ein unbewusstest Idealbild, das keiner erfüllen kann. Da sind wir wieder beim alten Thema – das Unterbewusstsein zu überlisten und mit sich selbst im Reinen zu sein. Denn wenn wir uns selbst satt machen, wollen wir das nicht von anderen.

Erschienen am 8. Januar 2015 im Main Echo 
Frische Farben für Frank
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