Keltisches Kunst und römische Rachegöttin

Römersommer: Finale Veranstaltung Mainlimes Markt führt auf Zeitreise in die Antike

Kampfeinlage zum Spaß, Römer Valentin Frisch in voller Montur. Foto: Julia Preißer

Obernburg. Es war eine Premiere in der Römerstadt: Kelten und Römer erstmals vereint auf Obernburger Boden. So etwas hat es seit Beginn der Geschichtsschreibung nicht gegeben. Auf dem Mainlimes Markt wurde das Unmögliche am Wochenende wahr. Reenactmentgruppen aus der Region zeigten in den Mainanlagen alte Handwerkskunst.

Gleich zu Beginn fällt dem Besucher eine wundersame Konstruktion ins Auge. Groß wie ein Schulkind, rund wie ein Widderhorn. Mit einem Mundstück auf der einen und einem Trichter auf der anderen Seite. “Ein nachgebautes Cornu - ein Horn - aus Pompeji,” erklärt Musikwissenschaftler Hagen Pätzold und bläst hinein. Donnernd schallt es über den Markt.

Ob Nemesis jetzt besänftigt ist? Der Rachegöttin zum Zoll bliesen die Römer das Cornu vor Schlachten oder Gladiatorenkämpfen. Heute ist kein Kampf vorgesehen. Friedlich lehnt Auxiliarsoldat Valentin Frisch am Zelteingang und sortiert gefüllte Datteln. Wer ihn besucht, darf kosten und erfährt, wie sich ein Kettenhemd mit 30.000 Ringen anfühlt.

Zieht es arg nach unten? “Wenn man’s gewohnt ist, geht’s”, sagt Frisch. Etwa 25 bis 30 kg wiegt die komplette Ausrüstung samt Helm, Schild, Speer und Langschwert. Auf den Gewaltmärschen von bis 50 Kilometern pro Tag mussten die Auxiliar jedoch deutlich mehr Gewicht schleppen. Dafür gabs am Ende ein paar Münzen für neue Sohlennägel.

Wie eine Münze gemacht wird, weiß Schmied und Schlosser Anton Reus. Er rekonstruierte einen antiken Prägestempel und presst Sesterze aus Zinn. “Ursprünglich waren die Sesterzen aus Bronze und die Denaren aus Silber”, erklärt er. Wer genau hinschaut, sieht das Konterfei eines Kaisers: Auf den Sesterzen prangt Antoninus Pius, der bis 161 nach Christus Rom regierte.

Römische Regenten sucht man in den Mainanlagen vergebens. Man unkt, die Kelten - deutlich in der Überzahl - würden den wenigen Römer im Kampf ohne Mühe den garaus machen. Zum Spaß kreuzen dann auch Römer Valentin Frisch und Kelte Joachim Oberle die Klingen.

Oberle weiß: “Die Kelten waren keine tumben Tore.” Besonders im Schmieden, beim Ackerbau und als Tüftler habe sich das Volk hervorgetan. “Sie erfanden sogar eine Nähmaschine”, so Oberle. Um 700 bis 400 vor Christus transportierten die Kelten ihr Salz auf der heutigen Wanderstrecke Eselsweg und nutzten den Main als Wasserstraße.

Auf dem Mainlimes Markt zeigt eine Keltengruppe, wie man Mehl mit Mühlsteinen malt und einen Bogen auf einer antiken Werkbank schnitzt. Mit acht Ständen ist der Markt eine kleine Veranstaltung. Eine Reenactmenttruppe aus Großwallstadt war wegen Krankheit abgesprungen.

Trotzdem scheinen die Besucher zufrieden. “Das macht richtig Spaß!”, sagt eine etwa zehnjährige bewaffnete Römerin über das Deltaspiel. Gleich will sie sich noch eine originalgetreue römische Frisur flechten lassen.

Die passende Tunika findet das Mädchen in der Kochsmühle. Im Rahmen der Ausstellung “Legionäre Roms” konnten Erwachsene und Kinder zum letzten Mal in römische Rüstungen und Gewänder schlüpfen. Auch die Dioramen, in denen insgesamt 6000 Zinnfiguren das Soldatenleben zeigten, waren letztmalig zu bewundern.

Ob es nochmals einen Römersommer geben wird, dessen ist sich der Förderkreis Mainlimes Museum noch unschlüssig. “Im Hinterkopf rumorts. Uns hat schon das Fieber gepackt”, sagt Karl Ludwig Katholi. “Vielleicht in zwei Jahren.”

Erschienen am 18. September 2017 im Main Echo 
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