Déjà-vu mit Schlaghose und Häkelmütze

Clingenburg-Festspiele: ABBA Tribute Show begeistert Publikum – tanzende Zuschauer bringen Tribüne zum wackeln, Coverband glänzt mit schrulligen Kostümen

Sara Mosquera – alias Anni-Frid – rockte am Montagabend die Bühne der Clingenburg. Foto: Julia Preißer

Klingenberg. Besser konnte das Wetter nicht mitspielen. Nachdem die erste ABBA Tribute Show auf der Clingenburg im Juni wortwörtlich ins Wasser fiel, sorgten bei der Ersatzveranstaltung am Montag Temperaturen von 30 Grad und wolkenloser Himmel für einen lauschigen Abend.

Für rund zwei Stunden war der Mythos der schwedischen Kultgruppe ABBA greif- und hörbar. Die Coverband Swede Sensations aus Deutschland ließ kaum einen Hit aus und katapultierte die Fans mit Schwung und Schlaghose zurück in die 1970er Jahre. Der Start mit „Waterloo“, dem Song, der ABBA 1974 den Sieg im Eurovision-Songcontest bescherte, war obligatorisch. Der rockige Sound verleitete das Publikum zum rhythmischen Händeklatschen – zunächst noch sitzend, später im Stehen.

Die Swede Sensations haben schon im letzten Jahr auf den Clingenburg-Festspielen bewiesen, dass sie ABBA nicht nur stimmlich, sondern auch in puncto Bühnenperformance und Outfit perfekt imitieren können. Saskia Tanfal – alias Agnetha – punktete mit nachtblauem Zweiteiler, silbernem Gürteltuch und stilechter Häkelmütze. Anni-Frid-Verschnitt Sara Mosquera trug über der orangeroten Hotpants ein wallendes Hippie-Tuch und Björn-Imitator Tom Luca glänzte im Schlaghosen-Overall.

Ein Farbfeuerwerk bot auch die Bühnenbeleuchtung. Mit schreiend bunten Diskolichter hatten ABBA 1970 die Konzerthallen der Welt erobert. Die roten, grünen, gelben und blauen Spotlights sorgte nun auf der Clingenburg bei den Fans der ersten Stunde für ein optisches Déjà-vu. Kein Wunder, dass die Veranstaltung nach dem Erfolg des letzten Jahres komplett ausgebucht war.

Im Publikum fanden sich zu geschätzten 70 Prozent Frauen. Dass die so richtig abgehen können, wurde mit fortschreitendem Abend immer deutlicher. Bei „Mamma Mia“ wippte der Pulk und wackelte die Tribüne. Das kollektive Klatschen riss auch die meisten Männer mit und auf der Bühne hieb Keyboarder Mike Rubin – alias Benny – mit Wucht in die Tasten. In der ersten Zuschauerreihe tanzten drei Frauen mit Haarbändern, weiter oben feierte eine Braut in spe ihren Junggesellenabschied.

Die Tribute-Show zeigte: ABBA-Musik kann auch nach drei Jahrzehnten noch immer Massen begeistern. Ohrwurmhits wie „Super Trouper“ oder „Money Money Money“ erkennen Fans schon am ersten Takt. Kommerziell? Nach wie vor! Popmusik? Na klar! Doch ABBA hat immer auch mit anderen Musikgenres experimentiert.

Die Tribute-Show griff dies auf und bot ein vielseitiges Programm. Rockig tönte „So Long“, typische Schlagerelemente hörte man in „Honey Honey“, wieder andere Songs erinnerten an die Flower-Power-Ära der späten 1960er. Ein temperamentvolles musikalisches Wechselspiel lieferten sich die Frontfrauen „Agnetha“ und „Anni Frid“, denen auch nach zwei Stunden Singen und Hopsen nicht die Puste ausging.

Eines zeigte der Abend gewiss: ABBA ist zeitlose Musik, die ins Ohr und in die Fußspitzen geht, die mitsummen und mittanzen lässt und die nichts von ihrer Popularität eingebüßt hat. Die Swede Sensations lieferten am Montag eine erstklassige Hommage an die erfolgreichste Pop-Gruppe seit den Beatles. Ein Abend, der sich lohnte!

Erschienen am 5. August 2015 im Main Echo 
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