Wörther Kinder lernen Nachhaltigkeit

Kita Rasselbande erhält Zertifikat "Eine Welt-Kita"

Foto: Julia Preißer

Wörth. Emma Krolzig (4) vergräbt eine Bananenschale in der Erde. Ihre Schwester Mia (2) legt eine Plastikverpackung dazu. Die Kleinen aus der Kindertagesstätte "Rasselbande" in Wörth lernen was es heißt, nachhaltig zu leben. Wenn die beiden in vier Monaten das Erdloch wieder aufbuddeln, wird die Bananenschale verschwunden sein, die Plastiktüte nicht. "Die finden eure Enkel noch", sagt Erzieherin Ute Teitscheid augenzwinkernd. Das "Bananenprojekt" ist Teil einer Reihe pädagogischer Erlebnisse für die die Kita "Rasselbande" am Montag das Zertifikat "Eine Welt-Kita" erhalten hat. Die Wörther leisten damit Pionierarbeit. Gerade einmal 25 Kitas sind bayernweit zertifiziert.

Müll vermeiden, Vielfalt leben und fairen Handel unterstützen: Das Projekt "Eine Welt-Kita" steht unter dem Motto "fair und global". Träger ist das Eine Welt Netzwerk Bayern - ein Dachverband entwicklungspolitischer Einrichtungen, Weltläden und lokaler Eine Welt-Foren. "Wir wollen eine kultursensible Haltung fördern", erklärt Projektkoordinatorin Caren Rehm. "Schließlich haben wir nur diese eine Welt." Und Erzieherin Ute Teitscheid findet: "Man kann Kinder gar nicht früh genug für das Thema Nachhaltigkeit sensiblisieren."

Damit Kinder das komplexe Thema verstehen können, fokussiert sich die Kita auf Erlebnisse. "Kinder lernen über die Sinne und die wollen wir ansprechen", erklärt Erzieherin Teitscheid. Gemeinsam mit ihren Team-Kolleginnen Sibylle Graetsch und Adriana Rodriguez tüftelte die Erzieherin in den vergangenen Monaten an einem sinnfreudigen und sinnvollen Konzept. Eindruck bei den Kindern machte vor allem der Müllberg aus den Verpackungen der Mahlzeiten von nur einer Woche. "Selbst uns Erwachsene hat die Menge schockiert", sagt Teitscheid. Die Erzieher und Erzieherinnen spornen sich seitdem gegenseitig an, umweltbewusst zu leben: Wer mit dem Rad zur Arbeit fährt, wird gelobt. Wer für das mitgebrachte Mittagsessen eine Glas- statt einer Plastikverpackung wählt, erntet anerkennende Blicke.

Kita-Leiterin Karin Schreck findet es wichtig, auch die Eltern mit einzubeziehen. Um Sinn für kulturelle Vielfalt zu schaffen, haben Eltern mit und ohne Migrationshintergrund ihre Leibgerichte zubereitet - etwa das türkische Nationalgericht Baklava. Die Kinder durften mampfen und lernten Interessantes zur internationalen Esskultur. Elf Nationen sind in der "Rasselbande" vertreten. Indien und die Türkei haben ihr Land bereits vorgestellt. Als nächstes stehen kulinarische Ausflüge in die osteuropäischen Länder Griechenland, Rumänien und Bulgarien an. Mit dem interkulturellen Fokus will der Trägerverein Eine Welt Netzwerk den Kindern und ihren Eltern die Chancen und Risiken der Globalisierung erklären. Bilderbücher, Nationalmärchen oder Tänze aus anderen Ländern sollen neugierig machen. Inspirationen holt sich das Erzieher-Team bei den Kooperationspartnern - etwa der Website des Kindermissionswerks "Die Sternsinger".

Elternbeirätin Tanja Krolzig sieht dem Projekt mit Spannung entgegen. "Ich finde toll was die Kinder lernen - vor allem in Bezug auf Nachhaltigkeit und interkulturelle Kompetenzen", sagt sie. Auch daheim versuche sie, mit guten Beispiel voranzugehen. "Wir verwenden so wenig Plastik wie möglich. Und wir möchten, dass sich unsere Kinder niemandem gegenüber verschließen." Auch andere Kitas in der Region sind in puncto Fairness ein Vorbild. Die Mömlinger Kitas "Sonnenschein" und "Regenbogen" erhielten 2018 die Auszeichnung "Faire Kita". Der Kindergarten Weinbergstraße in Erlenbach-Mechenhard trägt den selben Titel. Unterschiede zwischen den Zertifizierungen gibt es vor allem im inhaltlichen Schwerpunkt: Die "Faire Kita" sensibilisiert hauptsächlich für fairen Handel während die "Eine Welt-Kita" den Schwerpunkt auf die Themen interkulturelles Zusammenleben und Ernährung ausweitet.

Globales Lernen

Unter dem Motto "globales Lernen" steht eine besondere Form von Bildungsarbeit. Ziel ist es, Kinder zum Einsatz für eine gerechtere Welt zu motivieren. Globales Lernen umfasst entwicklungspolitische Bildungsarbeit, Menschenrechtserziehung, Nachhaltigkeitserziehung, Bildungsarbeit für Frieden und Konfliktprävention sowie interkulturelle Erziehung. Parlamentarier, Regierungen und Behörden aus Europa hatten das Konzept 2002 entwickelt und in der "Maastrichter Erklärung" manifestiert.

Erschienen am 17. Juni 2021 im Main Echo 
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