Dynamisch und anmutig

Konzert: Churfränkische Philharmonie spielt alte und neue Meister - Brettschneider überzeugt als Solist

Schnelle Läufe, rasante Doppelgriffe: Gitarrist Florian Brettschneider liefert sich ein musikalisches Intermezzo mit der Churfränkischen Philharmonie. Foto: Julia Preißer

Obernburg. Dynamische, anmutige, opulente und gefällige Kompositionen hat das Publikum anlässlich des 30-jährigen Jubiläums der Musikschule Obernburg zu hören bekommen. Einen abwechslungsreichen Abend boten die Musiker der Churfränkischen Philharmonie am Samstag in der Stadthalle. Auf dem Programm standen vier Werke, die unterschiedlicher nicht sein können.

Zum Auftakt, bei den fünf Sätzen aus Antonin Dvoráks Legenden, zeigten sich die Philharmoniker in besonders gelöster Spiellaune. Energisch und leidenschaftlich tönte der erste Satz, anmutig und versöhnlich, mit wildem Mittelpart, der zweite. Am anspruchsvollsten war der opulente vierte Satz mit ausdrucksvollem Hornmotiv, das in einer Balladenkomposition mündete.

Dirigent Wolfgang Kurz hielt seinen Klangkörper gut zusammen und auch die Solisten fügten sich ins Gesamtbild. Gitarrist Florian Brettschneider überzeugte in Mauro Giulianis Konzert für Gitarre und Orchester Nr. 1. Der 21-Jährige hat bereits zahlreiche internationale Preise erspielt und zeigte am Samstag, wie er schnelle Läufe und rasante Doppelgriffe problemlos meistert.

Dass Konzertleiter findig sein müssen, bewies Wolfgang Kurz in Flint Juventiono Beppes zeitgenössischem Stück Heart. Aufgrund von Instrumentenmangel ersetzte er die vorgesehenen Röhrenglocken, die sich durch das Stück ziehen, durch digitale Klänge aus dem Soundarchiv. Leider wirkte dies mechanisch und stand im Widerspruch zu den weichen, empfindsamen Cellotönen.

Die finale Mozartiana von Tschaikowsky war Höhepunkt des Abends. Vier kurze Spätwerke Mozarts hat Tschaikowsky in dieser Suite neu charakterisiert und für ein großes Orchester bearbeitet. Und obgleich Mozarts Klänge unüberhörbar sind, schwingt auch die schwelgerische Melancholie Tschaikowskys mit.

Gewollt schlicht, doch mit romantischen Harfenklängen gespickt, setzte die Churfränkische Philharmonie das Ave Verum um. Das Menuett wiederum war schwerblütig, die Gigue sperrig. Dem Orchester gelang eine transparente, geradlinige Gestaltung, die dennoch die stellenweise ausladende Üppigkeit und Getragenheit des Stücks nicht verleugnete.

Der nunmehr dritte Auftritt der Churfränkischen Philharmonie konnte das Publikum überzeugen. Die Musiker aus den beiden Musikschulen Obernburg und Erlenbach bildeten einen vielseitig spielenden Klangkörper. Ein weiteres Konzert des Ensembles gibt es voraussichtlich im Herbst.

Erschienen am 6. März 2018 im Main Echo 
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