Pyrotechniker plant Podestsysteme

Unternehmen: 37-jähriger Manuel Wolf tüftelt an flexiblen Stecksystemen für Messebau und Gartenanlagen - »Der Erfolg kam schnell«

Einmal stecken, schrauben: fertig. Manuel Wolf (rechts) probiert mit einem Mitarbeiter sein neustes Podestystem aus. Foto: Julia Preißer

Großwallstadt. Früher verwirklichte er als Pyrotechniker die “Nacht der Lichter” in Dornau und Miltenberg. Heute ist Manuel Wolf (37) erfolgreicher Geschäftsmann. Sein Unternehmen DOPOS aus Großwallstadt fertigt Podest- und Bühnensysteme, die auch international vertrieben werden. Nach eigenen Angaben ist Wolf deutschlandweit der einzige Anbieter in diesem Bereich.

In dem kargen Büro neben der Werkhalle am Ende eines unscheinbaren Schotterwegs sitzt Manuel Wolf und erzählt. Vor ihm ein Laptop, neben ihm ein fertiger Stapel seiner Systeme. “Der Erfolg kam schnell”, sagt er. “Und dass, obwohl anfangs niemand daran geglaubt hat.” Dann erzählt er seine Geschichte, die abenteuerlich klingt und vielversprechend.

Wolf lernt Schreiner - etwas Bodenständiges. Die Meisterschule bricht er ab, heuert stattdessen beim Fernsehen an. Für die Bavaria Studios baut er 2011 die Kulissen zum Historienfilm Ludwig II. Die MMC Studios in Köln brauchen ihn backstage für den Bühnenbau zu Deutschland sucht den Superstar. Hier kommt ihm seine Idee zum ersten Mal.

Podestsysteme will er herstellen - schnell aufzubauen, flexibel in Größe und Umfang. “Wie ein Legobauset”, sagt er. Die ersten potenziellen Kunden winken ab. “Das kann nicht funktionieren! Das wird zu teuer! Sie werden schon sehen.” Manuel Wolf lernt schnell, mit der Skeptik seiner Kunden umzugehen. “Wenn man alteingesessenen Unternehmen mit etwas Neuem kommt, sind sie eben misstrauisch. Man muss dranbleiben”, findet er.

Nur eine Zusage kann er anfangs verbuchen. Heute arbeitet er mit namhaften Unternehmen wie BMW, Rolls Royce, AMG und Jaguar zusammen. Sie nutzen die Podest- und Kleinbühnensysteme, um ihre Modelle auf Fahrzeugmessen zu präsentieren. Auch einige Firmen, die zuvor abgesagt hatten, sind wieder mit an Bord.

2013 erweiterte Wolf sein Sortiment. In Kooperation mit der Firma Metten aus Overath in Westfalen fertigt er nun auch Verlegesysteme für Steinplatten und Holzdielen. Stolz zeigt er seine neueste Idee: Ein Fugenkreuz mit Noppen, die verhindern sollen, dass die aufgesetzten Platten kippeln. Zuletzt fand das Kreuz in der Terrassen- und Flachdachanlage eines Wohnblocks an der Hamburger Außenalster Verwendung.

Die Terrassen waren eines der wenigen privaten Bauprojekte. Kunden sind meist mittelständige Unternehmen und Großkonzerne. Um Privatleute für seine Systeme zu gewinnen, steht Wolf derzeit mit Baumärkten in Verhandlung. Er möchte eines seiner neuen Konzepte an den Mann bringen: abgehängte Trockenbaudecken mit integrierter Beleuchtung.

Manuel Wolf ist Geschäftsmann, was man beinahe vergisst, wenn man mit ihm redet. Er wirkt geerdet, trotz des Erfolgs, dem siebenstelligen Jahresumsatz, den Zukunftsaussichten. Vor kurzem hat sich Cadillac gemeldet - wieder ein Großauftrag. Wolf will “erstmal gesund und langsam wachsen”. Und dann vielleicht irgendwann den Betrieb erweitern. Bis dahin tüftelt er weiter, vor ihm der Laptop, neben ihm ein Stapel Systeme.

Zur Person: Manuel Wolf

Heute ist Manuel Wolf (37) Geschäftsmann, früher arbeitet er als Schreiner. Die Menschen im Landkreis Miltenberg kennen ihn als den Organisator der "Nacht der Lichter" in Dornau und Miltenberg. Sein Weg als Pyrotechniker führte ihn bis nach Dubai und Abu Dhabi, wo er an Silvester 2011 drei große Feuerwerke in den Himmel schoss. Außerdem gestaltete er die 30-Jahr-Feier der deutschen Band "Pur". Nebenbei arbeitete er als Bühnenkonstrukteur beim Fernsehen.

Erschienen am 29. Mai 2018 im Main Echo 
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