Vierbeiner im Fokus

Hundezucht: Sennenhunde maßen sich am vergangenen Wochenende in Großwallstadt bei Rasseausstellung von Schweizer Verein

Üben vor dem großen Auftritt: Hund Emma mit Frauchen Emily. Sie steigt mit der Berner Sennenhündin gleich in den Ring. Foto: Julia Preißer

Großwallstadt. Emma ist kein Kläffer. Das hat die Berner Sennenhündin nicht nötig. Ihr kräftiger Körper sorgt bei Fremden ohnehin für Respekt. Weil Emma aufmerksam und gewitzt ist, hat Herrchen Felix Drees heute Besonderes mit ihr vor. Emma darf sich bei der Rassehundeausstellung in Großwallstadt mit 152 Konkurrenten messen.

Von Zuchtrichtern ins Visier genommen zu werden, ist für Emma ungewohnt. Sie hat erst wenige Wettkämpfe bestritten. Ihre Oma Greta ist ein alter Hase im Geschäft. Gerade hat sie von den Richtern die zweitbeste Formwertnote “sehr gut” abgesahnt. Hobbyzüchter Drees ist aber vor allem auf Hündin Destiny stolz. Sie ist heute Beste Veteranenhündin - ein Ritterschlag.

Eine erstklassige Bewertung bekommt nur, wer die Rassestandarts erfüllt. Das sogenannte Exterieur beschreibt die äußeren Eigenschaften des Vierbeiners: Ist der Rücken gerade, die Brust ausgeformt, das Fell dicht? Wie steht es um Gebiss, Knochenstärke, Augen und Kopfform? Im Showring zeigen die Sennenhunde außerdem ihre Kondition und ihren Charakter.

Mit Emma tritt Felix Drees Tochter Emily in den Ring. Erst stehen beide still - Emma soll sich präsentieren. Dann schalten Hund und Frauchen in eine schnelle Gangart über und die Richter prüfen die Muskeln der Vor- und Hinterhand und ob sich Emma gut an der Leine führen lässt.

“Jetzt zählt ein flüssiges Bewegungsbild”, erklärt Felix Drees. Der Sauerländer tritt mit fünf seiner acht Hunde an. Einen Trainingsplan hat er nicht. “Ich sehe das nicht so ernst, eher als Hobby”, sagt er. Während Drees auf ausgedehnte Spaziergänge setzt, sind Profizüchter beharrlicher. Ob Aquajogging auf dem Unterwasserlaufband oder Anti-Angst-Training: Ziel ist die optimale Förderung.

In Großwallstadt ist die Ausstellungs-Atmosphäre entspannt. Auf dem Freiluft-Platz am Blauen Wunder bläst der Wind und schluckt laute Geräusche, die bei Hallen-Ausstellungen stören. Die Züchter tauschen sich im Plauderton miteinander aus. Man kennt sich oder lernt sich kennen. Hundehalter in spe nutzen die Gelegenheit und nehmen ihre favorisierte Rasse in Augenschein.

Neben dem Berner Sennenhund stellt der Veranstalter, die Landesgruppe Bayern Nord des Schweizer Sennenhund-Vereins, auch Appenzeller, Entlebucher und Große Schweizer vor. Die Tiere messen sich nach Klasse - vom Welpen bis zum Veteranen. Wer in der jeweiligen Klasse die Bestnote erhält, läuft um den Titel “Beste Hunderasse”. Die Gewinner der Rassen konkurrieren wiederum um den Titel “Best of Show”, den der finale Sieger stolz nach Hause tragen kann.

Emma und Emily sind zurück aus dem Ring. “Die Richter haben gesagt, dass Emmas Zähne schön ordentlich sind”, sagt Emily. Am Ende reicht es für eine gute Bewertung und Züchter Felix Drees ist zufrieden. Gegen den besten Hund der Show hatte Emma keine Chance. Er durfte sich schon vorher Multichampion und Europasieger nennen und hört auf den glanzvollen Namen Knut vor Kohlereschlucht. Von seinen Bewunderern wird er liebevoll “Knutinator” genannt.

Hintergrund: Kritik an Hundeausstellungen berechtigt?

Immer wieder stehen Hundeausstellungen in der Kritik. Vor allem Tierschutzorganisationen warnen. Der Tierschutzbund Peta spricht von “Rassenwahn”. So könne die Zucht nach optischen Merkmalen schwerwiegende Folgen für das Tier haben: Überzüchtete Möpse leiden nicht selten an Atembeschwerden, Schäferhunde an Hüftschmerzen. Kritik hagelt es auch für schlechte Ausstellungsbedingungen. Lärm und Hektik in großen Hallen bedeuten Stress für sensible Hunde. Der Schweizer Sennenhunde-Verein hat für seine Ausstellung bewusst eine Rasenfläche gewählt. Anders als bei reinen Schönheitswettbewerben, vor denen Züchter ihre Tiere oft stylen und zurechtmachen, soll es in Großwallstadt auch um den Charakter und die Fähigkeiten der Tiere gehen. Mit strengen Zuchtauflagen will man die Rassestandarts und die Gesundheit der Hunde erhalten.

Erschienen am 17. April 2019 im Main Echo 
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