Jede Religion hat das Ziel Frieden

Glauben: Vertreter von Islam, Christentum und Buddhismus diskutieren in Miltenberg

Die Teilnehmer sind sich einig: Jede Religion hat einen Friedensauftrag. Foto: Julia Preißer

Miltenberg. Was als Dialog der Religionen zum Thema Frieden begann, weitete sich am Ende des Abends zur Diskussion über Extremismus, Integration und Islamophobie. Pfarrer Peter Neubert, Imam Mustafa Seker und der Leiter der buddhistischen Glaubensgemeinschaft SGI-D Yoshiharo Matsuno lieferten sich am Donnerstag im Alten Rathaus einen Gedankenaustausch. Die Debatte zeigte, dass es zwischen den Religionen auch zukünftig noch Gesprächsbedarf gibt.

Ziel des diesjährigen Dialoges war es laut Moderatorin Birgit Safi, Inspirationen zu einem friedvollen Miteinander zu finden. Zur Beantwortung von drei Fragen hatten die drei Teilnehmer je zehn Minuten Zeit. Für Imam Mustafa Seker übersetzte Politik- und Religionswissenschaftlerin Altun Tas, die auch selbst Argumente in die Diskussion einbrachte und auf den schlechten Ruf des Islams in Deutschland einging.

In einem waren sich die Teilnehmer einig: Jede Religion hat einen Friedensauftrag. Christentum und Islam ziehen ihre Botschaft dafür aus der Bibel und dem Koran. Für Buddhist Yoshiharo Matsuno liegt der Auftrag darin, eine Brücke und ein Vermittler zwischen den großen monotheistischen Weltreligionen zu sein.

Matsuno erklärte den Grundsatz des Buddhismus, der sich nicht auf Gott berufe, sondern den Menschen in der Verantwortung sehe. „Der Gewaltverzicht kommt aus dem Gedanken: Ich bin du und du bist ich. Ich kann niemanden ohrfeigen, weil es mir selbst wehtut“, so Matsuno. In der Lehre Buddhas sei jeder Mensch nicht nur Teil eines großen Ganzen, sondern er sei das Ganze und damit ohne Anfang und Ende.

Verschwistert und verbrüdert sind alle Menschen der Welt für Imam Mustafa Seker. Er betonte, dass der Koran den Frieden lehre und belegte dies unter anderem mit Tötungsverboten in verschiedenen Suren. „Diejenigen, die nicht nach dem Frieden streben, streben nach dem Bösen“ so Seker. Die Friedenslehre im Islam sei keine trockene Angelegenheit, sondern werde täglich gelebt – etwa durch soziales Engagement und Gemeinschaftspflege.

„Wir wollen eine Frieden bewegende Kraft sein. Ganz im Gegensatz dazu, was in den Medien steht“, sagte Seker und distanzierte sich klar von religiösem und politischem Extremismus. Religionswissenschaftlerin Altun Tas ergänzte: „Es macht mich sehr traurig, dass in Deutschland immer noch eine Islamophobie herrscht. Wenn wir anfangen, jedem Muslim den Stempel des Extremisten aufzutragen, ist das falsch!“

Pfarrer Peter Neubert und Buddhist Yoshiharo Matsuno erklärten, dass die Gefahr des Machtmissbrauchs bei allen Weltreligionen gegeben sei. Neubert ging explizit auf die 2000-jährige Geschichte des Christentums ein, in der vermeintlicher Friede mit Gewalt und dem sogenannten „gerechten“ Krieg durchgesetzt wurde. „Bis ins 20. Jahrhundert hatte das Christentum oftmals nicht die Aufgabe, die es hätten haben sollen“, so Neubert.

Uneins waren sich die Teilnehmer bei der Frage, was dauerhaften Frieden verhindere. Seker glaubt, dass Frieden weltweit keine Utopie ist, wenn man Respekt voreinander hat und Barmherzigkeit zeigt. Matsuno rief zur Selbstreflexion auf, bekannte aber gleichzeitig, dass Habgier, Ehrgeiz und Verblendung dem Menschen im Weg stünden.

Neubert sieht den allumfassenden Frieden auf der Erde nicht realisierbar, da der Mensch von Natur aus die Sünde in sich trage. Trotzdem solle man nichts unversucht lassen, um Frieden zu schließen. „Wir sind nicht heilig genug, aber wir sind immer wieder neu auf dem Weg. Ein friedvolles Miteinander kann es nur durch Frieden zwischen den Religionen geben.“

Eine erhoffte Vertiefung der Thematik brachte die anschließende Gesprächsrunde nicht. Sie entwickelte sich zu einem Rundumschlag über Integration und die Angst vor Überfremdung. Etwas mehr Moderation hätte dem Abend sicher gut getan.

Erschienen am 17. November 2014 im Main Echo 
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