Coole Moves und waghalsige Stunts

Frisch eingeweihter Skatepark zieht jugendliche Scooter an

Schnell unterwegs: Scooten, Skaten und Biken im neuen Skatepark in Sulzbach. Foto: Julia Preißer

Sulzbach. Man nennt sie „Curbs“, „Quaterpipes“, „Funboxes“, „Rails“ oder „Flips“. Die Hindernisse auf dem neuen Skatepark in der Theodor-Heuß-Straße in Sulzbach lassen Skater- und Scooterherzen höher schlagen. Am Freitagnachmittag hat Bürgermeister Peter Maurer das Gelände eingeweiht.

Mit von der Partie: Jannik und Julian Schwarzkopf. Die Zwillinge (15) sind begeisterte Scooter – Stunt-Rollerfahrer. Julian macht den Anfang und springt von der Startrampe. Für die Zuschauer auf der Bank sieht die Performance waghalsig aus. Christian Ebert, der die Bahn designt hat, weiß, dass vor allem der „Fun“ zählt.

„Das läuft hier einwandfrei“, sagt er. „Diese Bauart, Betonelemente auf Betonfläche, gibt es in der Gegend kaum. Da muss man schon nach Obernburg oder Kleinostheim fahren.“ Wichtig sei die Rolleigenschaft, die müsse gleichmäßig sein – „damit der Skater nicht ausgebremst wird und auch bei Tricks die Balance halten kann.“ Julian schafft das mit links. Sein Bruder Jannik will mit seinen Fähigkeiten zunächst hinterm Berg halten. Mit ein bisschen Überredung steigt auch er auf die Rampe und liefert Moves, die sich sehenlassen können.

Julian und Jannik sind „Ams“ – Amateur-Scooter. Trotzdem haben sie einiges drauf. Die Kumpels der Zwillinge versuchen sich auf Mountainbikes und BMX-Rad – auch dafür eignet sich der Parcour. Girls trifft man eher neben der Bahn. Ein kleines Mädchen mit Laufrad und Sturzhelm wirft den Jungs bewundernde Blicke zu, traut sich aber nicht so ganz, es ihnen gleichzutun – sieht ja auch gefährlich aus.

„Skaten und Scooten sind Extremsportarten“, weiß Christian Ebert aus Erfahrung. Um richtig Gas zu geben, hat er schon einige Bänderrisse riskiert. „Aber wenn man sich was bricht, da muss es schon ganz blöd kommen.“ Bürgermeister Peter Maurer wünscht den Jugendlichen „Hals und Beinbruch“ und hofft, dass der Park ordentlich Zulauf findet. Laut Ebert muss er sich deswegen keine Gedanken machen. „Da kommt nicht nur die Sulzbacher Jugend. Da kommen Skater aus der ganzen Umgebung.“

Dank Facebook hat sich bereits eine Fan-Community gebildet. Der Sport zieht vor allem Jungs und junge Männer im Alter von sechs bis 30 an. Wer das Scooten und Skaten professionell betreibt, lernt neben coolen Moves und waghalsiger Akrobatik auch das richtige Hinfallen. Bisher haben Jugendliche in Obernburg und Kleinostheim trainiert. Mit 300 Quadratmeter purem Skaterspaß ist der Sulzbacher Parcour eine ernstzunehmende Konkurrenz.

Besonders stolz ist Bahn-Designer Christian Ebert auf die kurvige „Ledge“ – ein Hindernis mit Kante, an der die Skater „sliden“ (entlang rutschen). Die Ledge verbindet die obere mit der unteren Ebene. Das Gelände sei von Anfang an auf natürliche Weise abgefallen, erzählt Bürgermeister Maurer. „Da haben wir Glück gehabt“. Allzu hügelige Stellen hat die Gemeinde zuvor planiert. Neben dem Parcour gibt es eine Zuschauerbank und viel Grünfläche. Im Gespräch sei ein kleiner Schuppen, in dem man Besen und Reinigungsgeräte lagern könne, so Maurer.

Der Bürgermeister vertraut was Ordnung und Sauberkeit angeht den Jugendlichen, denen an einer sauberen Bahn gelegen sei. Trotzdem will er sich einmal pro Woche selbst überzeugen und die Lage checken. Sulzbacher Kinder und Jugendliche haben den Skatepark mitentworfen und in vier Workshops 2009 und 2011 ihre eigenen Wünsche eingebracht. Die Teile fertigte die Firma Hofmann aus Elsenfeld.

Ursprünglich hatte die Gemeinde ein Budget von 50 000 Euro geplant. Letztendlich hat die Anlage mit 83 000 Euro ein deutliches Loch in die Gemeindekasse gerissen. Peter Maurer freut sich deshalb, dass der Radsportverein RV Torpedo den Bau des Skateparks mit 10 000 Euro unterstützt hat. Allem Anschein nach hat sich die Investition gelohnt. Jannik und Julian Schwarzkopf wird man hier jedenfalls öfter sehen.

Skater-Jargon für Anfänger

Auf einem Curb (Bordstein) können Skater mit ihrem Board sliden (rutschen). Meist rutscht der Skater von oben nach unten – bei genug Schwung auch mal nach oben. Profis wachsen die Kanten, damit sie besser rutschen können.

Eine Quarterpipe (Viertelröhre) ist eine Schanze, die vor allem im Freestyle-Bereich Einsatz findet. Wie die Halfpipe besteht auch die Quarterpipe aus Metall, Holz oder – wie in Sulzbach – Beton.

Eine Funbox gehört zum Standard eines Skateparks. Gemeint ist ein kastenförmiges Hindernis mit einer oder mehr Rampen. Hier kann das Board in der Luft geflippt (gedreht) werden.

Als Rail bezeichnet man eine freistehende Schiene oder ein Geländer auf dem – ähnlich wie beim Curb – gerutscht wird. Auch Freeskier oder Snowboarder nutzen die Rail.

Erschienen am 4. August 2014 im MainEcho 
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