Heimatlosen Streunern ein Zuhause geben

Tierschutz: Leidersbacher Verein kümmert sich um heimatlose Katzen – Fundtiere oft unterernährt und krank

Darfs ein Küsschen sein: Jaqueline Schuck-Benesch nimmt verwilderte Katzen auf. Foto: Julia Preißer

Leidersbach. Ein Maunzen tönt aus der Ecke des Raumes. Vier Samtpfoten flitzen herbei. Es ist Spielezeit und Idefix ist der erste, der Unterhaltung sucht. Schon greifen seine Tätzchen nach dem bunten Federstrauß, mit dem ihm Jaqueline Schuck-Benesch vor der Nase wedelt. Idefix ist eine von 35 Katzen, die der Verein Sorgenkatzen in Leidersbach derzeit betreut.

Die Arbeit ist oft mühselig. Verwilderte Katzen müssen eingefangen, kastriert, geimpft, gechippt und tätowiert werden. Damit will der Verein die Zahl der Straßenkatzen verkleinern. Nach Schätzungen von Tierschutzorganisationen leben rund drei Millionen heimatlose Streuner in Deutschland. Sie sind oft abgemagert, krank und finden kaum Futter.

Dass sich Straßenkatzen so stark vermehren, liegt an unkastrierten Hauskatern, die sich mit verwilderten Katzen paaren. Der Nachwuchs ist mit fünf Monaten geschlechtsreif und vermehrt sich weiter. “Wir appellieren an die Halter, ihre Kater und Katzen rechtzeitig zu kastrieren”, sagt Vereinsvorsitzende Jaqueline Schuck-Benesch.

Eine Kastration ist ein Routineeingriff und verhindert nicht nur unerwünschten Nachwuchs. “Die Katze ist nicht mehr rollig, viel umgänglicher und wendet sich mehr ihrem Halter zu”, weiß Schuck-Benesch. Auch an die Registrierung sollten Halter denken. Nur so können Tierschutzvereine entlaufene Katzen zuordnen. Kostenfreie Portale sind das Deutsche Haustierregister oder das Onlineportal Tasso.

Kater Idefix hat die Kastration schon hinter sich. Er wurde im August geboren und kam als Jungkätzchen zum Verein. Einer aufmerksamen Beobachterin war Idefix’ trächtige Mutter aufgefallen. Als die Katze ein paar Tage später wieder einen flachen Bauch hatte, wandte sich die Beobachterin an Jaqueline Schuck-Benesch. Gemeinsam folgten sie dem Muttertier und fanden sechs Kätzchen in einem Unterschlupf.

Seitdem lebt Idefix mit seiner Mutter und den Geschwistern in den angemieteten Räumen in der Bergstraße in Leidersbach. 150 Euro kostet eine Katze den Verein durchschnittlich. Ist sie krank oder verletzt, können die Kosten auf bis zu 700 Euro ansteigen - etwa bei Jeannie, die sich in einer Schlagfalle verletzt hatte. Oder bei Gismo, der unter epileptischen Anfällen litt.

Mehr als 250 Katzen hat der Verein seit seiner Gründung im Jahr 2015 gepflegt. Das Geld dafür stammt aus Spenden und Beiträgen der 60 Vereinsmitglieder. Mit tierärztlicher Betreuung und viel Zuwendung sind die meisten Katzen schnell vermittelbar. Wer sich für eine Sorgenkatze interessiert, stellt sich bei Jaqueline Schuck-Benesch vor und darf die Stubentiger kennenlernen.

Ideal für Katzen ist der Freilauf. Soll es doch eine Wohnungskatze sein, vermittelt der Verein gerne zu zweit. “Potentiellen Haltern muss klar sein, dass die Folgekosten hoch sind. Deshalb erheben wir eine Schutzgebühr”, so die Vereinsvorsitzende. “Man muss sich ein Tier leisten können. Wir wollen nicht, dass eine vermittelte Katze ein Jahr später wieder bei uns auftaucht.”

Erschienen am 1. März 2018 im Main Echo 
B469 als Wachstumsmotor
Zur Liste
Bei Moatasem Alahmadi läuft’s rund