Auf Entdeckungsreise mitten in der Natur

Große Kinderaugen: Der kleine Antares inspiziert den Waldspielplatz in Obernburg. Foto: Julia Preißer

Obernburg. Die Schritte sind tapsig aber die Augen verfolgen fest das Ziel. „Hier will ich hoch“, scheint Antares (20 Monate) zu denken. „Genau dahin, wo die Rutsche ist.“ Schritt um Tritt klettert er die Stufen nach oben. Gemeinsam mit Mama Isabel Reis erkundet der Kleine den Spielplatz am Waldhaus in Obernburg.

Hier gibt es viel zu entdecken: Schaukeln, eine Wippe, einen Wackelbalken, viele Klettergerüste und eben jene Rutsche, die für Kleinkinder viel zu steil ist. Die Mama ist deshalb in Sorge und verfolgt mit Argusaugen jeden Schritt ihres Lieblings. Der ist mittlerweile oben angekommen, möchte aber gar nicht rutschen. Stattdessen genießt er die Aussicht und die Erfahrung, mal richtig groß zu sein – sogar größer als die Mama.

Auf dem Waldspielplatz laden nicht nur die Spielgeräte zum Auskundschaften ein – auch der Wald selbst ist ein Erlebnis. Der Boden, der mit Tannennadeln und Laub bedeckt ist, knirscht bei jedem Schritt. Über den Spielgeräten thronen mächtige Baumkronen, die gerade so viel Sonne hindurch lassen, dass es im Sommer weder zu warm, noch zu kalt ist. Ein riesiger Baumstumpf bietet Klettermöglichkeiten und das Holzgerüst eines Wigwams lässt erkennen: Hier hat einmal ein Indianer gehaust! Oder doch nicht? Man könnte es meinen.

Aber Antares weiß genau: Nichts ist so spannend wie ein verästelter Stock, den man auf dem Waldboden finden kann. Fasziniert schwenkt der Kleine seine neuste Errungenschaft. Die Rutschpartie hat er mittlerweile mit Mamas Hilfe gemeistert. Jetzt bekommt der Stock sein Hauptaugenmerk. Hund Askar, der mitkommen durfte, nun aber am Baum angeleint warten muss – er hatte eine Wurst vom Teller eines Waldhausbesuchers stehlen wollen – wird unruhig.

Doch Antares will gar nicht Stöckchen spielen. Seine Aufmerksamkeit gilt nun Rutsche Nummer zwei. Die ist niedriger und nicht so steil. Auch Kleinkinder können hier gefahrlos selbst rutschen. Trotzdem ist der Waldspielplatz eher etwas für große Rabauken, die sich richtig austoben wollen. Hier ist genug Platz zum Fangen spielen und Bäume wie Büsche bieten ideale Versteckmöglichkeiten – Abenteuer eingeschlossen. Die Hauptattraktionen für Kinder in Antares Alter beschränken sich auf Sandkasten, Schaukelpferdchen und Babyschaukel.

Spielplatzausflug und Einkehr im Waldhaus lassen sich in einem Familientag gut verbinden. Weil das Gelände ein gutes Stück vom Ort entfernt mitten im Wald liegt, können Mama und Papa ihr Auto auf einem großen Parkplatz direkt davor abstellen. Schöner ist aber bestimmt die Wanderung vom Waldrand aus oder eine Fahrradtour (der Weg führt leicht nach oben).

Als zünftige Belohnung gibt es für Wandersleut`und Radler Würstchen, Kraut oder eine Brotzeit zu günstigen Preisen. Allerdings hat das Waldhaus nur an zwei Tagen der Woche geöffnet: mittwochs am Nachmittag und sonntags ganztägig. Der Spielplatz kann jeden Tag besucht werden. Der Waldhaus-Verein kümmert sich um die Bewirtung und Instandhaltung des lauschigen Fleckchens. Schön für Eltern: Die Tische und Bänke sind gleich neben den Spielgeräten. So können Mama oder Papa ihre Schützlinge im Auge behalten.

Für Antares und Isabel Reis heißt es für heute Feierabend. Trotz langem Mittagsschlaf zuvor hat die Entdeckungstour den Kleinen müde gemacht. Von der Mama gibt’s im Auto noch einen Keks für die Fahrt zu den Großeltern. Die werden Antares dank Müdigkeit heute weniger bespaßen müssen, als sonst. Hund Askar nimmt im Kofferraum Platz und Mama Isabel setzt sich hinters Steuer. Als das Auto anspringt fallen Antares auf der Rückbank die Augen zu. Schlaf gut, kleiner Mann!

Erschienen am 03. September 2014 im MainEcho 
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