Eine Klangwelt für sich

Konzert: Pianist Michael Günther spielt auf Hammerklavieren Musik am Untermain um 1800

Michael Günther spielt Mozart auf dem Tafelklavier. Foto: Julia Preißer

Mömlingen. Wie klingt ein Hammerflügel und woher rührt der gitarristische Klang eines Tafelklaviers? Pianist Michael Günther hat am Samstagabend im Mömlinger Pfarrsaal die Blütezeit von Rokoko und Wiener Klassik aufleben lassen - auf Originalinstrumenten aus dem 18. Jahrhundert.

Wer an den Klang moderner Konzertflügel gewohnt war, erlebte eine Überraschung. Denn ein historisches Hammerklavier ist eine Klangwelt für sich - ein bisschen scheppernd auf den ersten Eindruck, weniger voluminös vielleicht aber wunderbar passend zum Sopran von Christel Kuttelwascher-Lieb und Annette Ball. Sie begleiteten Michael Günther gesanglich.

Den Auftakt bildete der junge Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) mit zwei Allegro Stücken, die er als Sechsjähriger am Untermain komponiert und später in Frankfurt vorgetragen hatte. Leichtfüßige, ausgereifte Klaviermusik, die das Tafelklavier - auch Pantalon genannt - hervorragend zur Geltung bringt.

“Beste Musik konnte um 1800 jeder hören”, erklärte Pianist Günther. “Man musste nur in die Klöster und Wallfahrtskirchen gehen. Großen Komponisten war es eine Ehre, für die Kirche spielen zu können - allen voran Bach aber auch Mozart und Haydn.”

Die Konzerte waren günstig, die Klaviere wesentlich teurer als heutzutage. Für Großbürger und den Adel jedoch galt ein Klavier im Haus als obligatorisch. Die Kammermusik kam auf und Komponisten wie der Unterfranke Johann Franz Xaver Sterkel (1750-1817) schrieben ihre Stücke den Söhnen und Töchtern großer Familien auf den Leib.

Sterkel widmete seine Werke unter anderem der Familie Wambolt in Groß Umstadt. Ortskundigen dürfte das Wambolt`sche Schloss ein Begriff sein. Sterkel selbst war geborener Würzburger und vertonte unter anderem Gedichte von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) und Friedrich Schiller (1759-1805).

“Im Rokoko zog man die deutsche Sprache der italienischen vor”, so Michael Günther. Goethes “Gefunden” besticht textlich und musikalisch durch Einfachheit und Natürlichkeit. Eine große Dynamik wiederum weist Sterkels Larghetto in F-Dur auf. Der Hammerflügel schafft ein mächtiges Crescendo ebenso wie ein zartes Piano, das im Stück überwiegt.

Ein Kontrast hierzu bildet “A Schisserl und a Reindl” von Sterkel-Schülerin Katharina Bauer (1785- etwa 1808). Frech und forsch klang es, als die Sängerinnen - bewaffnet mit Schüssel und Topf - tönten: “Håst gsågt du willst mi nehma, åft wånn der Summer kommt. Der Summer, der is komma, du håst mi no nit gnomma.”

Das Konzert schaffte die Divergenz zwischen heiteren und ernsten Stücken. Beim wehmütigen “Auf der Liebe dunklem Meere” sah man in sich versunkene Zuhörer mit geschlossenen Augen lauschen. Lustig wiederum reihten sich die Töne in “Feenland” und “Trinklied” aneinander - alles Kompositionen von Sterkel.

Neben Mozart, Sterkel und Bauer war auch Peter Anton Kreusser (1765-1831) zu hören. Das Konzert endete mit stehenden Ovationen und einer Zugabe.

Tasteninstrumente aus der Sammlung Michael Günther

Cembali, Hammerflügel, Tafelklaviere: Etwa 30 historische Tasteninstrumente hat Pianist und Musikforscher Michael Günther gesammelt und im Schloss Homburg untergebracht. Alle Instrumente stammen aus dem 17. bis frühen 19. Jahrhundert; überwiegend aus Franken, Süddeutschland und Italien. Musikliebhaber können sie bei Schlosskonzerten in Homburg bewundern. In einigen Wochen stellt Michael Günther seine Schätze im Vorarlbergmuseum in Bregenz aus.

Erschienen am 16. Oktober 2017 im Main Echo 
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