Mit Undone-Look und Assi-Deutsch

Schülerwettbewerb: Amorbacher Gymnasiasten schaffen es ins Finale von „Technik Scouts“ - Schauspieltrainer gibt Tipps für die optimale Projektpräsentation

Harmlos oder gefährlich? Phöbe träumt von Silbermann „Siegfried“ aus dem Faserplattenwerk. Die Szene ist Teil eines Theaterstücks für den Schülerwettbewerb Technik Scouts. Foto: Julia Preißer

Amorbach. „Ey, was solln das?“, schreit Phöbe als der Rhythmus des Gitarrenspiels sie aus dem Schlaf schreckt. Genervt setzt sie sich auf der zum Bett umfunktionierten Schulbank auf. „Was machst du mit deiner scheiß Gitarre?“ Elias Noe hört mit dem musizieren auf und muss ein wenig grinsen. Die Szene ist Teil eines Theaterstücks, das vier Schüler aus dem Karl Ernst Gymnasium (KEG) derzeit proben. Aufführen werden die Neuntklässler ihren Sketch beim Finale des Schülerwettbewerbs Technik Scouts.

Phöbe Schäfer, Elias Noe, Lena Münch und Sören Volk heißen die Amorbacher Gymnasiasten, die sich stolz Finalisten nennen dürfen. Insgesamt 90 Schülergruppen waren zum bayernweiten Wettbewerb rund um technische Berufe angetreten. Ziel war es, ein Berufsbild auszuwählen und als sogenannte Technik Scouts auf kreative Art vorzustellen.

Die vier Amorbacher haben den Beruf des Verfahrensmechanikers in Glastechnik unter die Lupe genommen und ihre Nachforschungen auf einer Website und in einem Film festgehalten. Zusammen mit einer Dokumentationsmappe haben sie das Ergebnis präsentiert und die Jury überzeugt. Sie sind eines von sechs Teams, das seine Arbeit am 9. Juli im Wirtschaftsministerium in München vorstellen darf.

Damit sie dann die 150 Zuschauer so richtig von den Socken hauen, trainiert Schauspieler Markus Menzel mit den Jugendlichen. Er arbeitet im Auftrag des Bildungswerk der Bayerischen Wirtschaft und coacht bereits die dritte Schülergruppe. Nach sechs Stunden Schauspieltraining sitzt der Sketch perfekt und Markus Menzel lächelt in die Runde. Vor allem Phöbes Rolle hat es ihm angetan. Mit schrägem Pferdeschwanz im Undone-Look und Assi-Deutsch par excellence rockt sie die provisorische Bühne.

Ihr Bühnenbruder Elias Noe muss seine tumbe Schwester in die Arbeitsgeheimnisse eines Verfahrensmechanikers einweihen und hat damit seine liebe Not. Auf dem Weg ins Faserplattenwerk bekommt Phöbe auch noch Angst vor den „silbernen Männchen“ und es braucht einige Überredungskunst von Pförtner Sören, damit sie den Rundgang durch die Anlage wagt.

Dass Silbermann Siegfried, alias Lena Münch, unter seinem glänzendem Hitzeschutzanzug ein lieber Kerl ist, merkt Phöbe dann recht bald und sorgt dank neu gewonnenem Selbstbewusstsein für einige Überraschungen auf dem Firmengelände.

Die Schüler haben sich den Sketch selbst ausgedacht, die Figuren aber mit Schauspieltrainer Markus Menzel perfektioniert. „Wir müssen Situationen schaffen, in denen die Jugendlichen Lust auf das Theaterspielen bekommen. Die skurrilen Figuren und deren Konflikte helfen uns dabei“, erklärt Menzel. Wichtig sei, das komplizierte Technikthema locker zu verpacken. „Es soll keinen Referats-Charakter haben“, so der Schauspieltrainer.

Auch wenn das Publikum über Phöbe lacht, die spielerisch mit Pförtner Sören flirtet oder Glaswolle mit einer toten Katze verwechselt, gilt für Menzel: „Die Seriösität darf nicht zu kurz kommen“. Das bedeutet im Klartext: lustig aber informativ. Vom schauspielerischen Talent der Gymnasiasten ist Menzel überzeugt. „Die Gruppe reagiert ganz toll aufeinander. Das ist die Grundvoraussetzung für gutes Theater.“

Damit auch das technische Know How sitzt, ist Verfahrensmechaniker Alexander Hölzler von der Firma Owa bei den Theaterproben dabei. Das Amorbacher Unternehmen hat das Projekt fachmännisch begleitet und die Schüler durch den Betrieb geführt. Was die vier dort gesehen haben, zeigt das Bühnenbild: Ofen, Feeder und Messwarte, davor Quarzsand, Eisenoxid und Zement in Glasdosen.

Die Utensilien, das Bühnenbild und ein bisschen Lampenfieber fahren mit zum Münchner Wirtschaftsministerium. Wenn die Schüler dort überzeugen, können sie eine Klassenreise nach Berlin gewinnen. Klappt es nicht mit Platz eins, werden sie in der Schule trotzdem gefeiert. Denn dass gleich die erste Wettbewerbsteilnahme des KEG den jungen Technik Scouts einen Platz im Finale beschert, damit hat anfangs niemand gerechnet.

Schülerwettbewerb Technik Scouts

13- bis 19-Jährige an technische Ausbildungs- und Ingenieurberufe heranführen: Das will der Schülerwettbewerb Technik Scouts. Die Jugendlichen befassen sich intensiv mit einem selbst gewählten Berufsbild und trainieren dabei Qualifikationen wie Kooperationsfähigkeit, Einsatzbereitschaft und Ausdauer. In Teams ab drei Personen knüpfen sie Kontakt zu einem Vertreter des Berufs und bündeln die gesammelten Informationen in einem Wettbewerbsbeitrag ihrer Wahl. Eine Jury legt dann die Finalisten fest, die ihre Werke auf einer Abschlussveranstaltung vorstellen. Den besten drei Teams winken Klassenreisen und Ausflüge.

Erschienen am 27. Juni 2015 im Main Echo 
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