Tropfen auf den heißen Wein

Landwirtschaft: Klimaerwärmung stellt Winzer und Kommunen vor Herausforderungen - spezielle Technik soll Abhilfe schaffen

Tropft ressourcenschonend: Große Schlauchsysteme mit winzigen Löchern verteilen das Wasser direkt am Rebstock. Foto: Julia Preißer

Kreis Miltenberg. Winzer und Kommunen reagieren auf die Klimaerwärmung. Die könnte dem Wein in den nächsten Jahrzehnten stark zusetzen. Immer mehr Weinbauern setzen auf die sogenannte Tröpfchenbewässerung - eine wassersparende Alternative zu Sprinkleranlagen. Aber auch Drohnen mit Multispektralkameras könnten bald zum Einsatz kommen.

Winzer Stefan Kremer aus Großheubach war einer der ersten in der Region, der die Tröpfchenbewässerungsanlage in Teilen seiner Weinberge vor rund sieben Jahren installiert hat. Das Wasser schöpfte er damals aus seinem privaten Brunnen. Mittlerweile hat die Marktgemeinde eine öffentliche Entnahmestelle angelegt. Für einen Euro zuzüglich Mehrwertsteuer können Winzer und Landschaftsobstbauern 1000 Liter Wasser entnehmen.

Seitdem wird nahezu der ganze Weinberg mit der Anlage bewässert. Dabei läuft ein Schlauchsystem durch die Reihen der Reben. Direkt am Rebstock befindet sich jeweils ein Loch, durch das kleine Mengen an Wasser tropfen. So gelangt das Wasser unmittelbar an die Wurzeln. Zuschüsse für den Bau der Anlagen vergibt der Fränkische Weinbauverband.

Für Winzer Stefan Kremer ist die Tröpfchenbewässerung ein Segen. Vor allem junge Stöcke, die weniger tief wurzeln, kann er so durch die Trockenperioden retten. Und diese werden nach Prognose des Meteorologen Karsten Schwanke immer häufiger. Er warnte auf der letztjährigen Jubiläumsveranstaltung der Weinbautage in Veitshöchheim vor der steigenden Temperaturkurve. Der Klimawandel sei nicht mehr nur eine düstere Prophezeiung, sondern Realität, so der Wissenschaftler.

Auch Weinbauer Stefan Kremer kennt trockene Sommer. “Wassersparende Sorten wie Spätburgunder und Riesling vertragen die Trockenheit gut. Probleme machen uns der Bacchus und der Müller-Thurgau, die leicht unter Trockenstress leiden”, erklärt Kremer. Sich aber als Winzer wegen der Trockenheit zu stressen, hält er für falsch. “Wir nutzen die Tröpfchenbewässerung vielleicht ein bis dreimal in der Saison.”

Mit acht bis zehn Litern Wasser käme ein Rebstock laut Kremer etwa zehn Tage durch eine Trockenperiode. Da es in der regionalen Weinwirtschaft nur ein bis zwei kritische Trockenmonate - hauptsächlich im Frühsommer - gäbe, sei bislang wenig Bewässerung nötig. “Von einer Dystopie sind wir weit entfernt”, so der Winzer.

Auch der Großheubacher Bürgermeister Günther Öttinger hält nach eigenen Angaben nichts von einer Hysterie. Trotzdem befürwortet er die Entnahmestelle, will die Weinqualität an den Steillagen erhalten und damit auch einen wichtigen Wirtschaftszweig. 50 Hektar Ertrag liefern die Großheubacher Winzer pro Jahr. Das kurbelt auch den Fremdenverkehr an. Frankenwein ist beliebt.

Mit 450 Millimeter Niederschlag jährlich sei die Region um Großheubach seit jeher eine der trockensten in Franken, so Öttinger. “Die meisten Wolken entladen sich über Spessart und Odenwald, die etwa auf gleicher Höhe liegen.” Etwas mehr Niederschlag genießen die Reben im Weinort Bürgstadt und der Rotweinstadt Klingenberg mit rund 630 mm. Doch ein Blick in die Weinberge zeigt auch hier: Tröpfchenbewässerung ist beliebt, blieb aber finanziell bislang an den Winzer hängen.

Klingenbergs Bürgermeister Ralf Reichwein kämpft derzeit in Gesprächen mit der Bayerischen Landesregierung um Fördergelder für die Tröpfchenbewässerung. Der Freistaat hatte 2018 angekündigt, nachhaltige Bewässerungskonzepte regulär zu fördern. Bislang wurde die Tröpfchenbewässerung nur in Pilotprojekten mitfinanziert. Unter Umweltminister Thorsten Glauber (FW) will die Staatsregierung die Infrastruktur für die Bewässerung weiterentwickeln.

Drohnen, Wein und Hightech

Jean-Luc Picard, Captain der Enterprise, pflegt in der kommenden Star Trek Serie ein ungewöhnliches Hobby: Er ist Winzer. Über seinem idyllischen Weinberg kreisen Landwirtschaftsdrohnen. Die Science Fiction Szene ist in Japan längst Realität. Drohnen messen mit Hilfe von Multispektralkameras die Trockenheit in der Laubwand und geben Rückschlüsse auf Chlorophyll, das bei der Fotosynthese die Sonnenenergie aufnimmt. Bei Wassermangel macht der Weinstock die Blattschließzellen dicht. Sie müssen aber für die Fotosynthese geöffnet bleiben, damit die Beeren Zucker einlagern und der Wein besser schmeckt. Das Flugobjekt misst präziser, als ein Winzerauge. Schlägt es Alarm, kann der Winzer direkt über die Drohne bewässern. Sie wird per Hand gestartet und saust danach selbstständig durch den Weinberg. Dabei weicht sie automatisch Mauern, Bäumen und Pfählen aus - dafür sorgt ein Winkeldrehradar, das die Umgebung im 360-Grad-Winkel vermisst. Damit die Technik Einzug in Franken hält, braucht es gesetzliche Rahmenbedingungen. Winzer und Kommunen müssen zudem überflüssige Drähte und Leitungen in den Weinfeldern kappen. Denn Drohnen können bislang nur Hindernisse erkennen, die mindestens einen Finger breit sind. Außerdem braucht es “Flugplätze” und “Tankstellen”, um Drohnen starten, landen und mit Spritzmitteln versorgen zu können. Auch fahrende Roboter könnten bald als Helfer im Weinberg fungieren. Das berichtete der Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau, Hermann Kolesch, der Deutschen Presseagentur. Der “Vinbot” erklimmt Steilhänge bis zu 45 Grad Steigung und erstellt Karten, die akkurat den Ertrag bestimmen können.

Erschienen am 8. Juni 2019 im Main Echo 
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