Umleitung erhitzt Gemüter

Sieht gefährlich aus: Franz-Jürgen Grosser (rechts) radelt auf der Sulzbacher Umleitung, während ihm ein 2,55 Meter breiter Brummi entgegenkommt. Foto: Julia Preißer

Sulzbach. Umleitungen sind meist unschön. Für die Anwohner, weil es laut ist und stinkt. Für die Verkehrsteilnehmer, weil sie umständlich fahren müssen. Und für Politik und Ämter, weil alles geplant werden muss. Auch in Sulzbach wird derzeit umgeleitet. Die Ortsdurchfahrt über die Bahnhofstraße bekommt einen frischen Belag und neue Wasserleitungen entstehen. Weil die Straße deshalb einseitig gesperrt ist, muss der Fern- und Nahverkehr aus Richtung Obernau durch die Niedernberger Straße gondeln.

Das stört den Sulzbacher Franz-Jürgen Grosser und seinen Verbündeten Wolfgang Wenzel. Sie beobachten das Schauspiel bereits seit Baubeginn – etwa vier Wochen. Grosser sagt: „Die Umleitung gefährdet Fahrradfahrer und Fußgänger!“ Sicheres Spazieren und Radeln auf der bisher ruhigen Niedernberger Straße sei momentan dank Lastkraftverkehr kaum möglich. Besonders in der LKW-Rush-Hour frühmorgens könne es gefährlich werden, so Grosser.

Mit einer Breite von 3,60 Metern an der engsten Stelle, ist die Niedernberger Straße als Hauptverkehrsader ungeeignet – zumindest dauerhaft. Zwar fahren Autos und Laster nur in eine Richtung, trotzdem müssen sie manchmal ein kleines Stück ins Gelände ausweichen, um entgegenkommenden Radfahrern Platz zu machen. Bei einem solchen Manöver hat bereits ein Tempo-30-Schild Schaden genommen. Grosser beobachtete vor zwei Wochen, wie Gemeindearbeiter das umgefahrene Schild austauschten.

Weil sich Franz-Jürgen Grosser und Wolfgang Wenzel um die Fahrradfahrer sorgen, haben sie sich mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Aschaffenburg in Verbindung gesetzt. Dessen Vorstand Manfred Röllinghoff hat sich vor Ort selbst ein Bild von der Lage gemacht. Auch er findet, die Umleitung sei für Radler gefährlich. Allerdings betreffe dies nur den kommunalen Radverkehr. Touristische Radreisende würden meist den ausgewiesenen Radweg auf der anderen Seite der Sulzbacher Bahnschiene oder den offiziellen MainRadweg durch Niedernberg nutzen.

Trotzdem hat Röllinghoff dem für die Straßenbauarbeiten zuständigen Staatlichen Bauamt Aschaffenburg eine E-Mail geschrieben. Darin beantragt er, die Umleitung aufzuheben und den Verkehr an der Baustelle durch Ampeln zu regeln. Dies habe auch während der Arbeiten am ersten Bauabschnitt, der bereits fertig gestellt ist, funktioniert. Röllinghoffs Beanstandung trifft Bauoberrat Michael Jung nicht unerwartet. Auch er hat bereits den Unmut von Franz-Jürgen Grosser zu spüren bekommen. Dennoch hält er die Entscheidung für die Umleitung nach wie vor für richtig.

„Wir müssen hier die Kirche im Dorf lassen“, sagt Jung. „Größere Baumaßnahmen werden immer unter Abstimmung mit der Gemeinde, der Polizei, Rettungskräften und Nahverkehrsunternehmen getroffen. Wir haben unsere Richtlinien was Arbeitsschutz und Verkehrssicherung betrifft und die haben wir eingehalten.“ Weil Jung dem Lärm um die Sache nachgehen wollte, ist er die Strecke selbst geradelt und hat nebenbei diejenigen zum Thema befragt, die er dort auf dem Fahrrad angetroffen hat. „Niemand, den ich gefragt habe, hat sich durch den Verkehr bedroht gefühlt“, so Jung.

Eine Ampelregelung löse, laut Jung, das Problem nicht. Bei rund 13.000 Fahrzeugen pro Tag würden Rotphasen für massive Staus sorgen. „Nur die einseitige Umleitung kann das Verkehrsaufkommen entzerren. Hätten wir eine Baustellenampel, würden einige Verkehrsteilnehmer sowieso auf die Niedernberger Straße ausweichen, um die Baustelle zu umfahren“, so der Bauoberrat. Ein Ampelverkehr hätte außerdem den Nachteil, die Zufahrt zum betreuten Wohnen und zur Apotheke zu erschweren.

Um einzulenken, hat Jung dem ADFC-Vorstand Manfred Röllinghoff versprochen, an der Bahnüberführung in Sulzbach und am Beginn des Radwegs in Obernau Hinweistafeln anzubringen. Die helfen seit kurzem irritierten Radtouristen auf den rechten Weg.

Dem Sulzbacher Wolfgang Wenzel, der selbst an der Umleitung wohnt, geht es aber nicht nur um den touristischen Radverkehr, wie er betont. „Viele Einheimische haben die Niedernberger Straße immer als sicheren Weg ins Gewerbegebiet zu den Supermärkten genutzt – darunter auch Mütter mit Kinderwägen oder Senioren mit Rollator. Jetzt müssen sie bergauf und bergab durch die Stadt.“ An die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometern auf der Umleitung halte sich, laut Wenzel, fast kein Autofahrer.

Für eine Geschwindigkeitsüberwachung wäre die Gemeinde selbst verantwortlich. Geschäftsleiter Hilmar Schneider sieht hierfür aber kaum Möglichkeiten. „Die Straße ist zu eng, um dort einen Wagen mit einem mobilen Blitzer aufzustellen“, so Schneider. Womit wir wieder beim Thema wären. Die Problematik trifft Bauoberrat Michael Jung auf den Punkt: „Das ist eben eine Baustelle. Vorübergehend gibt es da halt Einschränkungen.“

Erschienen am 30. August 2014 im Main Echo 
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