Wandernachwuchs geht auf Spurensuche

Odenwaldklub: Horst Fischer macht mit Geocaching eine traditionsreiche Sportart für jugendliches Publikum schmackhaft

Foto: Julia Preißer

Kreis Miltenberg. Dass das Wandern des Müllers Lust ist, weiß man seit 1821. Heutzutage sagt man die Lust am Wandern vor allem Rentnern nach. Der Odenwaldklub will nun wandern für junge Menschen attraktiver machen. Das Angebot des Vereins ist vielfältig: Von der Kanutour bis zum Geocaching.

Zehn Kinder haben die Schatzsuche mit GPS am Sonntag am Centgrafenberg in Bürgstadt getestet. Multicache heißt der Pfad, an dem sich die Teilnehmer durch fünf Stationen rätseln müssen. Am Ende gibt’s für jeden Kaubonbons, Capri Sonne und ein Gesellschaftsspiel. Patrick (9) zieht ein Fazit: “Interessant gemacht!”

Horst Fischer, Vereinsmitglied und alteingesessener Wanderer, freut sich an der Begeisterung der Kids. Familien mit Kindern könne man mit solchen Aktionen schnell begeistern, erzählt er. “Wenn die ein GPS-Gerät in der Hand haben, kannst du mit ihnen meilenweit laufen.”

Schwieriger sei es bei der Jugend. Wer nicht mehr mit Mama und Papa wandern wolle und lieber vor dem Computerbildschirm statt dem GPS-Gerät sitzte, lasse sich nur schwer motivieren. “Wandern hat ein falsches Image: Man denkt an alte Waden in Knickerbocker und Kniestrümpfen”, sagt Horst Fischer.

Dabei möchte er so gerne eine Jugendgruppe gründen. Dafür fehlen ihm aber bislang nicht nur die Jugendlichen selbst, sondern auch ein adäquates Leitungsteam. “Wir brauchen Menschen zwischen 20 und 30, die alt genug sind, um Autorität auszustrahlen und jung genug, um für die Jugendlichen ein Ansprechpartner zu sein.”

Um Teilnehmer und Leiter zu werben, will Horst Fischer eine Facebook-Gruppe eröffnen und dort einen Aufruf starten. Wer sich bewirbt, den erwartet ein spannendes Programm. Neben Kanufahren auf der Tauber und Geocaching im heimischen Wald bietet der Verein beispielsweise Touren im Klettergarten an. Auch die Fahrt mit der Elektrodraisine von vor einem Jahr wartet auf Wiederholung.

Horst Fischer hat die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich zum Odenwälder Wandertag am 27. Mai in Bürgstadt einige Jugendliche anmelden. Bislang haben in allen Klub-Niederlassungen 600 Marschierbegeisterte, darunter 10 Familien mit Kindern, zugesagt. Geocaching wird auch dann wieder auf dem Programm stehen. Hinzu kommt eine Wanderung mit Packeseln, bei der das jüngste Wandervolk den keltischen Ringwall erkundet.

Unter den Geocachern von letztem Sonntag ist Patrick der versierteste. Mit dem Papa ist er oft in Wald und Flur unterwegs. Stolz zeigt er seine Narben von der letzten Tour, erklärt den anderen, wie sie das gelbe GPS-Gerät mit Koordinaten füttern können. “Der wäre mal was für die Jugendgruppe”, sagt Horst Fischer mit einem Lächeln. “Nur als Leiter ist er noch zu jung.”

Hintergrund: Geocaching

Geocaching ist eine moderne Form der Schnitzeljagd. Ausgestattet mit einem Global Positioning System (GPS) können Wander-, Technik- oder Abenteuerbegeisterte Schätze finden, die zuvor jemand versteckt hat. Dabei muss der Sucher die Längen- und Breitengrade sowie die genauen Koordinaten des Versteckes (Cache) eingeben, die er beispielsweise online in Erfahrung bringen kann. Profis unterscheiden die Art der Caches. Beim Single-Cache werden einzelne, beim Multi-Cache mehrere Verstecke gesucht. Für Profis bieten sich Mystery-Caches an, bei der der Teilnehmer Rätsel lösen und beispielsweise seine Kenntnisse in alten Schriften, dem Morsealphabet oder Kryptogrammen beweisen muss. Außerdem gibt es Nacht-Caches mit fluoreszierenden Verstecken und Travelcaches, bei denen der gefunden Schatz auf Reisen geschickt und einem neuen Bestimmungsort zugeführt wird.

Erschienen am 1. Mai 2018 im Main Echo 
Lachsalven im Fitnessstudio
Zur Liste
Bayerische Stubenmusik mit Flamenco