Spätfrost, Fäulnis und sanfter Rebschnitt

Weinbaugebietsversammlung: Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau informierte in der Frankenhalle über Neuerungen - Bilanz für das Weinjahr 2014

Ideale Beeren: Diese Traube von 2014 wurde weitestgehend von Fäulnis verschont. Foto: Julia Preißer

Erlenbach. Über neue Regelungen und Möglichkeiten im Weinanbau, einen Jahresrückblick auf das Weinjahr 2014 und Tipps zum Rebschnitt konnten sich die Winzer der Region am Mittwoch auf der Weinbaugebietsversammlung in der Frankenhalle informieren. Als Experten referierten Mitarbeiter der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) und dem Fränkischen Weinbauverband.

Dass die Kirschessigfliege nicht die alleinige Schuld an der massiven Fäulnis im letzten Jahr trägt, zeigte Heinrich Hofmann von der LWG auf. Längere Nassphasen und hohe Luftfeuchtigkeit in der Reifezeit haben die Beerenhaut mürbe und rissig gemacht. Der Schlauchpilz Penicillium hatte so leichtes Spiel. „Im Vergleich zu 2012 hatte der 2014er Jahrgang deutlich schlechtere Bedingungen“, so Hofmann.

Zudem seien viele Beeren mit dem Pilz Botrytis infiziert worden oder durch die gemeine Essigfliege zu Schaden gekommen. „Es gab sehr viele Ursachen für die Fäulnis. Die Kirschessigfliege wars nicht immer. Ich denke, da ist letztes Jahr einiges verwechselt worden,“ sagte der Experte.

Auch die Schäden durch Spätfrost und wie man diese verhindern kann, waren Thema des Abends. 2014 hatten die Winzer noch im Mai und auch an Ostern mit Frost zu kämpfen. Besonders die Reben am kühlen Hangfuß wurden beschädigt.

LWG-Experte Markus Müller stellte aktuelle Mittel und Wege vor, um die Rebstöcke zu schützen. Windmaschinen und Helikopter können die Luftschichten umwälzen und somit höhere Temperaturen am Boden erreichen. Beides ist kostenintensiv, ebenso wie der Einsatz von Heizkerzen auf großflächigen Räumen.

Sehr gute Erfahrungen hat die LWG mit Beregnung gemacht. In kalten Nächten wird bei der Umwandlung von Wasser zu Eis Erstarrungsenergie freigesetzt, die die Rebe schützt. Ein Nachteil ist der hohe Wasserbedarf. Bei Winzern beliebt und kostengünstig sind physiologische Verfahren wie der doppelte Rebschnitt oder die Ölbehandlung, welche allerdings entweder Qualitätseinbußen, Ertragsrückgänge oder eine Entwicklungsverzögerung mit sich bringen.

Über eine zukunftsfähige Reberziehung durch sanften Schnitt sprach Arthur Baumann. Inspiriert vom Italiener Marco Simonit experimentiert der LWG-Mitarbeiter mit einer neuen Art des Rebschnittes. Dabei soll unter anderem verhindert werden, dass die Rebe nach innen eintrocknet, denn mit jedem Schnitt verlieren Winzer einen Teil des Stockes. Das hydraulische System wird angegriffen und Krankheiten gelangen leichter nach innen.

Deshalb sollen Winzer große Schnitte vermeiden und beim Zurückschneiden soviel stehen lassen, dass die Rebe nicht bis in den Hauptzweig eintrocknet. Erst nach dem Trocknen wird der Stummel ganz entfernt. Die Rebe wird außerdem so erzogen, dass sie seitlich wächst und langfristig einen V- bzw. T-förmigen Kopf erhält. Querschnitte der so erzogenen Köpfe und Stämme weisen nahezu keine Totholzzonen auf.

Ab diesem Jahr müssen sich die bayerischen Winzer auch mit neuen Reglementierungen und Fördermöglichkeiten auseinandersetzen. Die Fördersätze für bestimmte Bereiche steigen. Außerdem ist nun eine Förderung für Brenner möglich. Im Rahmen des Kulturlandschaftsprogramms (KuLaP) wird auch der Anbau in Steillagen sowie die dortige Mauersanierung unterstützt. Dabei berücksichtigt der Freistaat erhöhte Kosten und Erschwernisse bei der Bewirtschaftung von Steil- und Terrassenlagen, die am Untermain häufig vorkommen.

Für die Winzer ebenfalls neu ist die Web-Anwendung Ibalis. Hier können sich die Weinbauern künftig online registrieren und auf die Weinbaukartei zugreifen. Die Weinbaukartei gibt Angaben über das Anbaupotenzial und die Produktionsentwicklung. Alle Daten müssen jährlich aktualisiert und überprüft werden.

Rodungen, die daraus entstandenen Rechte auf Wiederbepflanzung und deren rechtmäßige Nutzung werden in eine Pflanzenrechtedatei aufgenommen und verwaltet. Die LWG strebe an, dass diesbezüglich in einigen Jahren ausschließlich über Ibalis kommuniziert werde, so Mitarbeiterin Marianne Grohme.

Abschließend referierte Stephan Schmitt vom Fränkischen Weinbauverband über die Lobbyarbeit der fränkischen Winzer. Sie habe bewirkt, dass sich viele Fördersätze erhöht hätten und mehr Wert auf Strukturförderung und Fortbildung der Winzer gelegt würde. Schmitt berichtete außerdem über die Schwerpunktmärkte für den Frankenwein – München und Hamburg. In der Münchner Residenz soll ab 2016 eine Fränkische Weinlounge eröffnet werden. „Wir wollen damit einen zeitgemäßen vinophilen Treffpunkt schaffen und den Frankenwein neu ins Blickfeld rücken“, so Schmitt.

Mehr Infos zu den angesprochenen Themen erhalten die Winzer auf den Fränkischen Weinbautagen am 4. März in Veitshöchheim. Die zentrale Veranstaltung für die Frankenwinzer steht dieses Jahr unter dem Motto: Markt, Rebschutz und Silvaner.

Bayerische Landesanstalt für Wein und Gartenbau

Die LWG bezeichnet sich selbst als landwirtschaftliche Ausbildungs-, Forschungs- und Informationsstelle. Hauptsitz ist im unterfränkischen Veitshöchheim. Als Landesbehörde gehört die LWG dem Geschäftsbereich des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten an. Als Behörde ist sie dem Staatsministerium unmittelbar nachgeordnet. Die rund 300 Mitarbeiter beschäftigen sich unter anderem mit Forschungsprojekten im Bereich Bienenwirtschaft, Gartenbau, Landespflege und Weinbau. Sie sind an internationalen Forschungsprojekten beteiligt.

Erschienen am 06. Februar 2015 im Main Echo 
Christlich geprägt, heimatverbunden
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