Nase ins Glas, schlürfen, schlucken

Wahl-Vorbereitung: Sechs Bewerberinnen für das Amt der Fränkischen Weinköniginnen auf Tour durch Mainfranken – Interviews meistern, Winzer mit Fragen löchern

Erkunden die „Schatzkammer“ im Weingut von Winzer Benedikt Baltes: Die sechs Kandidatinnen für die Fränkische Weinkönigin mit Amtsinhaberin Christin Ungemach. Foto: Julia Preißer

Klingenberg. Wein aus sieben Gläsern ergießt sich in den Krug auf dem Tisch. Der gute Tropfen vom Weingut Stadt Klingenberg war zwar lecker, die Weinprinzessinnen haben ihn dennoch nicht leergetrunken. Aus gutem Grund, denn sie werden heute noch mehrmals die Gelegenheit zur Weinprobe haben. Die amtierende Fränkische Weinkönigin Christin Ungemach ist mit ihren sechs potentiellen Nachfolgerinnen auf Tour durchs Frankenland. Neben Winzer Benedikt Baltes besuchen die Prinzessinnen Weingüter in Bürgstadt und Würzburg.

Der heutige Ausflug läutet den Endspurt der Wahl-Vorbereitungen ein. Am 20 März ist der große Tag in der Erlenbacher Frankenhalle. Schönheit ist dabei zwar von Vorteil aber nicht die Hauptsache. Es gilt vor allem, knifflige Fragen rund um Wein und Weinanbau zu meistern. Eine unabhängige Fachjury und das Publikum werden den jungen Frauen auf den Zahn fühlen.

Heute drehen die sechs Kandidatinnen den Spieß um und stellen selbst Fragen. Zum Beispiel, wie man es als rheinländischer Winzer schafft, in Mainfranken Fuß zu fassen. Oder welche Schwierigkeiten sich bei der Terrassenbewirtschaftung ergeben. Bendedikt Baltes und Freundin Julia Bertram – Deutsche Weinkönigin von 2012/2013 – stehen Rede und Antwort.

Die Prinzessinnen lernen, dass Churfranken so heißt, weil es früher zum Kurfürstentum Mainz gehörte. Und sie erfahren aus Julia Bertrams und Christin Ungemachs eigener Erfahrung, dass die Fränkische Weinkönigin fast ebenso viel unterwegs ist, wie die Deutsche – in Franken, Deutschland und nicht selten auch im Ausland. Fast 400 Terminen bewerkstelligt sie während ihrer einjährigen Amtszeit.

Kandidatin Barbara Wohlfart aus Würzburg-Heidingsfeld weiß bereits, wofür sie ihr Amt nutzen würde. „Ich möchte vor allem die kleineren Weingüter in Franken mehr ins Blickfeld rücken“, erzählt sie. Hauptberuflich arbeitet die 23-Jährige als Physiotherapeutin, ehrenamtlich engagiert sie sich bei den fränkischen Jungwinzern.

Obwohl die meisten Kandidatinnen aus einer Winzerfamilie stammen, sind spezielle Vorerfahrungen für eine Bewerbung nicht nötig. Lediglich einen Titel müssen die Anwärterinnen mitbringen. Vor dem Showdown bekommt jede Prinzessin einen persönlichen Coach an die Seite – meist einen Winzer, Kellermeister oder Weinbaumanager. Dann heißt es lernen, Seminare besuchen und Workshops meistern.

In erster Linie sollen die Mädchen auf die Prüfungsthemen vorbereitet werden. Doch der Fränkische Weinbauverband, der die Wahl veranstaltet, denkt noch einen Schritt weiter. Deshalb lernen die Kandidatinnen auch, wie man charmant Interviews gibt und auf weniger charmante Pressefragen reagiert.

Weil die Vorbereitungen die Bewerberinnen stark in Beschlag nehmen, sind es wenige, die sich der Herausforderung stellen. Heuer treten mit sechs Kandidatinnen jedoch mehr an, als in den vergangenen Jahren. Eine Favoritin gibt es bislang nicht. „In diesem Jahr wird es sehr knapp werden“, prognostiziert Melanie Krömer vom Fränkischen Weinbauverband. „Wir haben sechs wirklich tolle Kandidatinnen.“

Bevor die Prinzessinnen heute zu ihrem finalen Besuch bei Winzer Rudolf Fürst in Bürgstadt aufbrechen, testen sie noch eine Klingenberger Rarität: Die 2013ner Fassprobe vom Schlossberg. Der gute Tropfen zählt zu den Großen Gewächsen – die höchste Klassifikationsstufe für deutsche Weine. Nase ins Glas, Duft einziehen, schlürfen und schlucken. Es scheint zu schmecken, denn diesmal bleibt kaum ein Tropfen im Glas zurück.

Erschienen am 21. Februar 2015 im Main Echo 
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