Bayerische Stubenmusik mit Flamenco

Kultur: Die berühmten Wellküren verschmelzen Kabarett und Volksmusik - Publikum singt und klatscht im Takt

Instrumentenvielfalt und hintersinniger Blödsinn: Die Wellküren Burgi, Bärbi und Moni (von links) begeistern bei Ihrem Auftritt in der Zehntscheune in Kleinwallstadt. Foto: Julia Preißer

Kleinwallstadt. Eines ist klar: Außerhalb Bayerns wird die Wellküren kaum jemand verstehen. Schon die fränkischen Zuschauer am Samstagabend in der Zehntscheune mussten genau hinhören. Die Wellküren stammen aus Günzlhofen und sprechen reinstes Oberbayerisch. Mit einer Mischung aus Kabarett und moderner Volksmusik konnten die drei Schwestern das Publikum für sich gewinnen.

STUGIDA soll es werden: “Stubenmusik gegen die Idiotisierung des Abendlandes.” Dass Stubenmusik in jeder Lebenslage hilft, wissen die Wellküren nur zu gut: “In der Pubertät hüfts, im Wechsel hüfts und mir hams a zur Empfängnisverhütung genutzt. Es gibt nix unsexieres als a Hackbrett.” Ein dröges Image hat die klassische Stubenmusik tatsächlich. Moni, Bärbi und Burgi brechen mit musikalischen Konventionen und nutzen Wortwitz und Mundart für komödiantische Einlagen.

Früher habe man vom Fensterln gesungen, vom Bergerl, vom Wieserl, vom Bacherl und von der Jungfrau Maria, erklärt Moni. Heute trällern die drei von unsinnigen Schönheitsoperationen, tückischem Onlineshopping und nervigen Politikern. “Es gibt Frauen, die haben Haare auf den Zähnen. Bei der Alice Weidel hat jeder Zahn seine eigene Frisur.”

Das Publikum quittiert Pointen und Dreigesang mit Gelächter und rhythmischem Klatschen. Die Wellküren sind bayernweit so beliebt, dass die Veranstaltungskarten innerhalb von zwei Wochen ausverkauft waren. Seit nunmehr 30 Jahren macht das Dreigespann Musik. Sie stammen aus der 17-köpfigen Volksmusikantenfamilie des Dorfschullehrers Hermann Well.

Ausgelutschte Volksmusik wird von den Wellküren heute zweckentfremdet. Moni beginnt, als sie bei “In einem Baum ein Kuckuck” plötzlich die Hüften schwingt, wie beim Flamenco. Bärbi und Burgi lassen sich nicht lumpen und steigen ein.

Bei allen Pointen ist es Moni, die den Takt vorgibt. Sie ist die laute, wild Gestikulierende, die sich bis zum tomatenrot Anlaufen über Markus Söder echauffiert, scharfzüngig und bissig Facebook kritisiert und noch dazu so rasant mit den Klöppeln über das Hackbrett fliegt, das man nur staunen kann.

Ihre Instrumente beherrschen die Wellküren perfekt. In einem ruhigen Moment spielen sie Mozarts Klaviersonate in G- statt A-Dur: Moni am Hackbrett, Bärbi an der Harfe und Burgi an der Gitarre. Später kommen Nonnentrompete, Tuba und Saxofon hinzu.

Bei allem Blödsinn bleiben die Wellküren natürlich, stets hintersinnig und rutschen nie ins Klamaukige ab. Mit dem Engagement des Trios ist der Zehntscheune ein echter Coup gelungen.

Erschienen am 23. April 2018 im Main Echo 
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