Eklatanten Wertewandel stoppen

Kirchenjubiläum in Soden: Bischof Friedhelm Hofmann spricht über eine katholische Kirche im Umbruch

Mitgliederschwund, Glaubensverlust, Überalterung: Bischof Friedhelm Hofmann spricht über Probleme in der katholischen Kirche. Foto: Julia Preißer

Sulzbach-Soden. Probleme anzupacken, dazu hat Bischof Friedhelm Hofmann am Sonntag rund 300 katholische Gläubige in Soden aufgerufen. Die Pfarreiengemeinschaft St. Christophorus – unter Leitung von Pfarrer Norbert Geiger – feierte das 50-jährige Bestehen der Kirche St. Maria Magdalena. Dem Festgottesdienst folgte ein Pfarrfest.

Bischof Hofmann machte den Gemeindemitgliedern Mut, sich in Kirche und Gesellschaft für andere einzusetzen und „einem Zeitgeist zu wehren, der Waren vor Werte rangiert.“ Er sprach sich für die Familie, den Sonntagschutz und die Werterhaltung der Jugend aus. Diese können nur durch Vorbilder und persönliche Erfahrung wachsen. Hofmann nannte außerdem die Selbstbestimmung der Frau – aber auch die Unantastbarkeit des ungeborenen Lebens – als wichtige Punkte auf der Agenda.

Es stehe viel auf dem Spiel, so der Bischof. In Zeiten von Globalisierung, technischem Fortschritt und demographischem Wandel gelte es, gegenwärtige Risiken – wie zum Beispiel den Klimawandel oder den Kapitalismus – zu minimieren. Gerade Christen seien hier aufgefordert, aktiv zu sein und etwas zu verändern.

„Wir erleben heute eine Gesellschaft und eine Kirche im Umbruch“, so Hofmann. „Die Kirche steht wegen vielem in der Kritik: Skandale, Mitgliederschwund, Überalterung, weniger Priester, Glaubensverlust.“ Eine Kirche, die als Pforte des Himmels diene, dürfe sich nicht auf sich selbst verlassen, sondern müsse die frohe Botschaft nach außen tragen.

Trotz der gesellschaftlichen Vorwürfe, denen die Kirche oft ausgesetzt sei, habe sich innerhalb der Glaubensgemeinschaft viel verändert. Der Bischof berief sich auf das zweite vatikanische Konzil, das zur Erbauungszeit der Sodener Kirche in den Jahren 1962 bis 1965 in Rom tagte. Damals hatte die Mehrheit der Katholiken unter anderem dafür gestimmt, die heilige Messe in die Landessprachen zu übertragen. Außerdem beschloss das Konzil, Laien aktiv am Gemeindeleben zu beteiligen – etwa als Pastoralreferenten.

„Es ist viel mehr geschehen, als wir nach 50 Jahren wahrnehmen!“, bekräftigte der Bischof. Auch innerhalb von Politik und Gesellschaft gebe es viel Gutes, wie etwa den Einsatz gegen Atomenergie –doch dies dürfe einem nicht den Blick verstellen für Missstände, die es anzupacken gelte. Ein Hauptproblem sei der „eklatante Wertewandel“. Moral aus Rationalität und Logik herzuleiten sei falsch und der alleinige Glaube an den Segen der Wissenschaft „nahezu naiv. Wissenschaftliche Vernunft alleine kann keine ethischen oder sozialen Werte schaffen!“

Der Bischof forderte die Gläubigen auf, trotz gesellschaftlichen Konventionen an christlichen Werten festzuhalten. Diese seien unter anderem Grundstock für den ersten Artikel im Grundgesetz der Bundesrepublik.

Nach seiner Predigt feierte Friedhelm Hofmann mit den Katholiken die heilige Kommunion und segnete die neue Fahne der Kirche. Bürgermeister Peter Maurer sprach von einer besonderen Ehre, die der Bischof der Gemeinde damit bereite. Pfarrgemeinderatsvorstand Manfred Nebel wünschte den Festbesuchern gute Gespräche, leckeres Essen und stimmungsvolle Unterhaltung mit den Sodenthaler Musikanten. Die Blaskapelle hatte auch die Parade und den Einzug in die Kirche musikalisch umrahmt. Während der Messe sang der Chor Belcanto in Orgelbegleitung von Regionalkantor Peter Schäfer.

Eine Spielstraße für Kinder boten die Ministranten und das Familiengottesdienstteam lud zu einer Kirchenführung ein. Die Kirche St. Maria Magdalena war 1964 erbaut worden, nachdem sich die Gemeinde eine größere Kirche gewünscht hatte. Kirche und Gemeinderat entschlossen sich zu einem Neubau. Bischof Josef Stangl weihte St. Maria Magdalena im Juli 1964 ein.

Hintergrund: Vatikanisches Konzil:

Zahlreiche Wissenschaftler und Theologen haben sich in den vergangenen 50 Jahren mit dem zweiten vatikanischen Konzil beschäftigt. Eines der wichtigsten und häufigsten Diskussionsthemen stellte die Frage dar, inwieweit das Konzil als eine Art Türöffner in die Zukunft fungierte. Konservative Katholiken hatten die Beschlüsse kritisiert und auf eine Festigung alter, bewährter Werte und Traditionen gehofft. Die Progressisten hingegen begrüßten die Änderungen und setzten sich für eine zukunftsorientierte Kirche ein.

Erschienen am 23. Juli 2014 im Main Echo 
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