Wettstreit der Wissenschaften

Science Slam: Erlenbacher Gymnasiasten setzen sich humorvoll mit komplexen Forschungsthemen auseinander

Foto: Julia Preißer

Erlenbach. Wissenschaft muss nicht trocken sein. Vier Schüler der zwölften Klasse des Hermann-Staudinger-Gymnasiums (HSG) haben sich am Donnerstag in der Erlenbacher Stadtbibliothek einen humorvollen Wettstreit geliefert. Die Herausforderung: Die Schüler hatten nur 15 Minuten Zeit, um einem Laienpublikum komplexe Themen aus Mathematik, Biologie, Informatik und Medizin verständlich zu machen.

W-Slam nennt die Schule die Veranstaltung, anlehnend an professionelle Science Slams, in denen sich Forscher aus Universitäten und Instituten in Kurzvortragsturnieren miteinander messen. Am Ende kürt das Publikum den Sieger. Die Schüler des HSG hatten sich zuvor mehrere Wochen in ihr Forschungsgebiet eingearbeitet und die Ergebnisse in einer Facharbeit gebündelt.

Paul Partholl erklärte anhand skurriler tierischer Vergleiche, wie eine Autoimmunerkrankung entsteht. Neue Therapiemöglichkeiten gibt es bei Diabetes Typ 1. Seit 2018 kann eine künstliche Bauchspeicheldrüse das kranke Organ ersetzen. Das System misst selbstständig den Gewebezucker und setzt über eine Insulinpumpe die nötige Insulindosis frei.

Die Immunologie war auch Thema im Vortrag von Christian Fries. Er referierte über Zecken als Krankheitserreger am Beispiel von Borreliose und FSME. Tief in der Mathematik verwurzelt war hingegen der Slam von Michael Dorsemagen. Die Riemannsche Vermutung zählt zu den größten Geheimnissen der Mathematik - das vielleicht berühmteste ungelöste Rätsel. Eine Millionen Dollar Preisgeld winkt dem, der es entschlüsselt.

Letztlich will die Hypothese die Primzahlen verstehen. Wie sind sie verteilt im Meer der natürlichen Zahlen? Warum erscheint die jeweils nächste Primzahl wie zufällig - manchmal nach wenigen Schritten, manchmal erst nach großem Abstand? Gibt es ein verstecktes Muster?

Dass sich Dorsemagen an ein Thema wagte, das man nichtmal annähernd in wenigen Sätzen erklären kann, war ambitioniert. Denn wenn dem Publikum das Fachwissen fehlt, kann es nicht beurteilen, ob ein Vortrag gut oder schlecht ist. Dorsemagen hat von allen Kandidaten sicherlich die höchste Denkleistung aufgebracht, doch den Sieg trug er nicht davon. Er gebührte einem charismatischen Informatiker, der mit Witz und Sachverstand die Sicherheit im Internet of Things kommentierte.

Ben-Jasper Kettlitz erklärte, wie Alltagsgegenstände wie Babyphones, Glühbirnen, Klimaanlagen und EKG-Messgeräte eine Identität erhalten, mit der man sie im Internet steuern kann. So wird die Welt der Dinge mit der Welt der Daten verknüpft und bietet Hackern Angriffsfläche. Dass Klein-Peter seine Drohne nicht mehr selbst steuert oder ein Börsenmakler im Aufzug stecken bleibt, klingt lustig. Wenn aber Biogasanlagen oder Uranturbinen gehackt werden, droht Gefahr. “Sicherheit muss über Funktionalität stehen”, betonte Kettlitz und erntete Applaus.

Der Sieg beim W-Slam bestärkt Kettlitz darin, nach dem Abitur Informatik zu studieren. Auch eine Universität hat er bereits ins Auge gefasst: Die TU Darmstadt.

Erschienen am 15. April 2019 im Main Echo 
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